Die neueste Attraktion im Wiener Prater ist vor allem für jene geeignet, die es nicht zu heftig mögen. Kinder müssen allerdings noch ein wenig warten.
WIEN.Rasante Beschleunigung, kopfüber stehen, den physikalischen Kräften ausgeliefert sein, und dabei doch in Sicherheit – das erwarten Besucher von Hochschaubahnen & Co. Auf der anderen Seite stehen Ringelspiele und Bahnen, in denen vor allem eine jüngere Klientel schon durch bloße Bewegung und ohne Fliehkraft leuchtende Augen bekommt.
Die neue Wildalpenbahn im Wiener Prater findet sich irgendwo zwischen diesen Extrempolen wieder. Von unten kann der Betrachter allerdings nicht wirklich abschätzen, was sich in den Kurven der vor wenigen Tagen eröffneten Bahn so abspielt. Lediglich auf den letzten Metern kann den neunsitzigen Booten bei der Fahrt zugesehen werden. Und das wirkt gar nicht so unspektakulär, wenn auch die Besucher danach eher entspannt als erschöpft aussteigen.
Wie mit der Gondel in Venedig
Entspannt geht es auch zu Beginn zu, nämlich beim Anstellen über eine Brücke zur Einstiegsstelle. Dass man vorher 3,50 Euro für ein Ticket lösen musste, sollte im Budget ja schon eingeplant worden sein. Danach beginnt die „dreiminütige Fahrt auf wildem Wasser“, wie sie der Veranstalter verspricht. Nun, so wild ist der erste Teil allerdings ganz und gar nicht. Denn die Geschwindigkeit, in der das gelbe Boot bis zum Lift treibt, entspricht maximal jener einer entspannten Gondelfahrt durch Venedig – nur eben ohne Gesang.
Spannend wird es dann, wenn das Boot mit Hilfe eines Aufzugs in rund 25 Meter Höhe gehoben wird, wo ein kurzer Rundblick über den Prater erstmals für einen kleinen Glücksmoment sorgt. Dann öffnet sich eine Schranke und das Boot gleitet langsam in den Kanal – Entschuldigung, den Wildbach natürlich.
Gemächlich wird beschleunigt und schon macht sich Enttäuschung breit, weil die Geschwindigkeit nicht wirklich rasant wirkt. Sobald allerdings das Kurvenlabyrinth beginnt, gesellt sich endlich die Zentrifugalkraft hinzu und das Boot dreht sich mit jeder Kurve schneller um die eigene Achse. Hier beginnt der Spaß, fürchten muss man sich aber nicht. Und auch festhalten ist nicht zwangsläufig notwendig, wenn auch die Hand das eine oder andere Mal reflexartig zum Haltegriff zuckt.
Kinder dürfen grundsätzlich mitfahren, allerdings gibt es noch Einschränkungen. Denn bis die Bahn fertig justiert ist, drehen sich die Boote für den TÜV noch zu schnell, daher gilt ein Alterslimit ab 14 Jahren. In ein bis zwei Wochen soll die Bahn aber auch für kleinere Kinder freigegeben sein – und am 1. Mai soll es Ausnahmen geben.
Man bleibt trocken
Nach einer knappen Minute reiner Fahrzeit im Kanal folgt am Ende – da, wo man von unten wieder zusehen kann, Sie wissen schon – noch eine steilere Bergabpassage, bei der Furchtsamen unter Umständen ein kleiner Schrei entfleuchen könnte. Es geht aber auch ohne, ganz bestimmt. Danach geht es wieder in ruhigeres Fahrwasser, zum Ausstieg nämlich.
Wieder im Trockenen geht der Besucher an einem Stand vorbei, wo Fotos von der Fahrt erstanden werden können – für vier Euro pro Stück. Und mit welchem Gefühl? Nun, nicht besonders enthusiasmiert, aber auch nicht wirklich enttäuscht. Und trocken.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.04.2007)