Kein Alkohol ist auch keine Lösung

Ursula Stenzel will ein öffentliches Alkoholverbot für die Innere Stadt. Soll Wien womöglich zu Kabul werden?

Der Rausch erfüllt eine wichtige Funktion – er löst Verkrampfungen. So wie der Kopf beim Lauf-Rausch frei wird, lockert der Alkohol-Rausch starre Konventionen – er macht gesellig, er verbindet. Damit steht er auf einer ähnlichen Stufe wie der Fußball – auch hier wird der Sport-Rausch auf den Tribünen als einigend empfunden. Aber auch Schattenseiten haben Sport und Droge gemeinsam – Exzesse. Randalierende Hooligans auf der einen Seite, kotzende und lärmende Jugendliche auf der anderen. Doch während nach Ausschreitungen von Fußballfans kein Mensch auf die Idee käme, das Fußballspielen zu verbieten, kommt genau dieser Reflex beim Alkohol recht schnell. Diesmal ergreift Ursula Stenzel die Initiative und nimmt einen Vorfall zum Anlass, die gesamte Innenstadt zur alkoholfreien Zone machen zu wollen. Damit kein Missverständnis entsteht: Eine Frau krankenhausreif zu prügeln, ist durch nichts zu entschuldigen, schon gar nicht durch Alkohol. Aber die von der Bezirksvorsteherin angedachte Bestrafung trifft die Falschen. Man stelle sich vor, wie viel Verständnis Touristen, etwa Fans bei der Fußball-EM im kommenden Jahr, für ein solches Verbot zeigen würden. Sollen sie wegen der Entgleisungen einiger weniger „Dreh & Drink“ statt weißem Spritzer vorgesetzt bekommen? Sollen sie ohne Alkoholkontrolle womöglich gar nicht zum Stephansdom vorgelassen werden? Und sollen sie Wien als eine Stadt in Erinnerung behalten, in der auch die Taliban das Sagen haben könnten? (Bericht: S. 8)


erich.kocina@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.05.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.