Die Wiener Börse wird zum Tummelplatz für Unternehmens-Schnäppchenjäger. Katastrophe ist das aber keine.
Die Wiener Börse könnte sich zum Mästplatz für Heuschrecken entwickeln, meinen Aktienexperten: Eine Reihe von lukrativen Unternehmen tummle sich da, noch dazu in Größenordnungen, die höchstens die Kaffeekassen großer Fonds beanspruchen. Ein Jagdrevier, wie es sich Heuschrecken nicht besser wünschen können.
Alarm? Wohl eher nicht. Das große Interesse internationaler Investoren ist ein Kompliment. Ein Beweis dafür, dass heimische Unternehmen über die Grenzen hinaus als interessant gelten. Tatsächlich haben ja viele von ihnen ihren Part in der globalen Wirtschaftsnahrungskette durchaus erfolgreich gespielt – und sich in Osteuropa als „Heuschrecken“ profiliert. Da ist es nur natürlich, dass sie nun selbst Jagdobjekte geworden sind. Ganz nebenbei sind Übernahmekämpfe auch nicht gerade das Schlechteste, das Aktionären passieren kann.
Eines ist im globalen Heuschrecken-Ringelreihen allerdings bedenklich: Es wird nicht immer nach fairen Spielregeln gespielt. Erst gestern beispielsweise ist der AUA-Partner Air Union in Moskau in die Liste der „strategischen Unternehmen“ aufgenommen worden. Und ist damit für Auslandsinvestoren tabu. Jene Air Union, die ihrerseits gerade die ungarische Malev gekauft hat und sich auch sonst recht aktiv im Westen umtut. Gegen Investoren aus Ländern, die solcherart foul spielen, wird man sich was einfallen lassen müssen. (Bericht: S. 19)
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2007)