Quoten im Rekordtief, Wrabetz übernimmt die Verantwortung und will rasch handeln.
Erwartungsgemäß hat nicht alles vom ersten Tag an perfekt funktioniert. Es ist klar, dass ich die Verantwortung trage.“ Mit diesen Worten stellte sich ORF-General Alexander Wrabetz in der Sitzung des Publikumsrats am Mittwoch vor sein Direktorium. Und er kündigte eine erste Reform der Reform an:
Der Hintergrund des „ZiB“-Studios wird „optimiert“, die Streifen verschwinden. Neue Wetterelemente werden eingeführt.
„Wie bitte?“ soll sein Themenspektrum verbreitern, ebenso das schwächelnde „Szene“.
„Mitten im Achten“ ist laut Wrabetz derzeit „zu wienerisch“, hat eine „zu harte, derbe Sprache“ und auch an der Dramaturgie soll gefeilt werden („Die Geschichten müssen pro Folge in sich funktionieren“). Ab Folge 30 (Ende Mai) soll man die Neuerungen sehen können. Außerdem erwägt der ORF, ob die Sitcom nicht doch auch im Sommer gesendet werden soll (ursprünglich war aus finanziellen Erwägungen eine Sommerpause eingeplant gewesen), damit die erst in der Eingewöhnung befindliche „MiA“-Klientel nicht gleich wieder abhandenkommt.
Die Wiederholung von „Julia“, die täglich zwischen „Heute in Österreich“ und „Konkret“ zum Quoteneinbruch führt, soll so bald wie möglich durch ein Konsumentenmagazin ersetzt werden.
„Bitte vergessen Sie die Zahlen“
Hintergrund der neuerlichen Änderungen ist die schlechte Entwicklung von Seherzahlen und Marktanteilen seit der Reform. Der Marktanteil in Kabel/Sat-Haushalten (Zielgruppe 12+) ist im April auf 37,9% gesunken – zehn Jahre zuvor waren es (unter ORF-General Gerhard Zeiler) im April noch 48% Marktanteil gewesen, unter Wrabetz' Amtsvorgängerin Monika Lindner im April 2006 waren es noch 41,3%. Damit ist ausgerechnet mit der Reform der Marktanteil des ORF-Fernsehens in Kabel/Sat-Haushalten erstmals unter 40% gesunken – das ist ein Rekordtief seit Einführung des Teletests Anfang der 90er-Jahre.
„Bitte vergessen Sie die Zahlen gleich wieder – die werden morgen anders sein“, beruhigte Wrabetz die Publikumsräte. Allerdings nur bei den absoluten Seherzahlen, die derzeit eher jenen im Juli oder August gleichen. Der Marktanteil hingegen gibt den Anteil jener gerade vor dem Bildschirm versammelten Zuschauer an, die gerade einen bestimmten Sender/Kanal sehen – und dieser Anteil kann, auch wenn gerade wenige Leute zusehen, in der Relation hoch sein.
Von der „Selbstinfektion mit Euphorie und Erwartung“, die Publikumsrats-Vorsitzender Georg Weißmann im Vorfeld der Reform ortete, ist nichts mehr zu spüren. Wrabetz ist um Schadensbegrenzung bemüht – auch in der öffentlichen Wahrnehmung, die sich vornehmlich auf den Misserfolg von „Mitten im Achten“ fokussiert: „Von Anfang an hat bisher noch kein Format wie dieses funktioniert.“ Fünf bis sieben Monate Anlaufzeit hätten deutsche Serien gebraucht, so Wrabetz, der aber eingesteht, dass „MiA“ „nicht so funktioniert wie erhofft“.
Für gelungen hält der ORF-Chef die Reform der ORF-Information. Die „ZiB“ bleibe auch ohne „Zwangsdurchschaltungskrücke“ das Flaggschiff. Die „ZiB20“ habe „alle anderen“ Nachrichtenformate für junge Zuschauer bei der Konkurrenz „aus dem Stand in der jüngeren Zielgruppe überholt“. Die „ZiB24“ habe „insgesamt stabile Zuschauerzahlen“, aber einen höheren Anteil junger Zuseher als früher. Für gelungen hält Wrabetz zum Beispiel auch das Comedyformat „Die 4 da“ oder das Infomagazin „Wie bitte?“, das der „öffentlich-rechtlichen Programmierung von ORF1 entgegenkommt“.
Manola bleibt im ORF
Klarheit herrscht nun auch über die Zukunft von Franz Manola: Der bisherige ORF-On-Chef wird demnach weder wie kolportiert den ORF verlassen noch beim „Krone“-Webportal anheuern. „Manola wird für uns den Einstieg in das High-Definition-TV (HDTV, Anm.) ausarbeiten und die gesamten Vorbereitungen des Hauses auf HDTV leiten“, erklärte Wrabetz dem Publikumsrat.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2007)