Mit Inline-Skater, Krückstock und zu Pferd

Josefstadt-Spielplan: Mitterer, Turrini, Franzobel.

Im Haupthaus wüten die Handwerker. Auch einige Abonnenten kochen. Franz Xaver Kroetz, Regisseur von Schnitzlers „Ruf des Lebens“, hat es ihnen ordentlich hineingesagt. Seine Bemerkung, in der Josefstadt stolpere man über Krückstöcke, fand breite mediale Resonanz und erboste Besucher. Direktor Herbert Föttinger war Donnerstag bei der Spielplan-Pressekonferenz sichtlich bemüht, die Wogen zu glätten: „Ich danke dem Publikum. Mir ist jeder willkommen, ob er mit Inline-Skatern, Krückstock oder zu Pferde in die Josefstadt kommt.“ Allzu groß kann die Wut nicht sein, denn das Theater geht bestens. Auslastung: 83,7 Prozent. „Jeder Platz, von dem man etwas sieht, ist besetzt“, erklärte Josefstadt-Geschäftsführer Alexander Götz. 730 Personen stehen auf der Warteliste für Abonnements. Sie könnte nach dem Umbau um 50 Prozent reduziert werden, weil es mehr Plätze im Parkett geben soll, jene mit schlechter Sicht auf dem Rang werden stark reduziert.

Goldoni im Mafia-Milieu

Fünf Uraufführungen zeigt die Josefstadt kommende Saison. Peter Turrini bearbeitet Goldonis „Diener zweier Herren“ und verlegt das Werk in das Mafia-Milieu. Freilich äußerte sich der Dichter etwas besorgt, weil die Proben bereits am 2.9. beginnen: „Der Druck steigert sich zur Panik.“ Fertig ist Felix Mitterers „Der Panther“, eine zärtliche Komödie für Fritz Muliar, der sein 70.Bühnenjubiläum feiert, und Elfriede Ott (Regie: W.D. Sprenger, Kammerspiele ab 8.11.). Auch Franzobel ist, wie er bekannte, erst bei der Recherche für sein Stück über Hans Moser, das allerdings auch erst am 15.Mai 2008 im Haupthaus uraufgeführt werden soll.

Weitere Uraufführungen: Gabriel Barylli schreibt für die Kammerspiele ein neues Drama und inszeniert es selbst: „Amarone“, ab 4.10.; am selben Ort ist ab 10.4.2008 „Kidnappers!“ vom Vorarlberger Stephan Vögel zu sehen. Überrascht zeigte sich Föttinger, „dass vor allem die sperrigen Produktionen so gut funktioniert haben. Das hat uns couragiert gemacht“. Vertrauen zu jenem Direktor, von dem er bei der Vorstellung noch sagte, dass er erst einer werden müsse, hat auch Stiftungsvorstand Günter Rhomberg gefasst: „Die Josefstadt steht wirtschaftlich einmalig da.“ Trotzdem forderte Rhomberg eine Grundsatzentscheidung von der Kulturpolitik. Es sei auf Dauer unerträglich, dass man jedes Mal, wenn man mit Politikern über Geld reden wolle, nur höre: „Suchen Sie sich Drittmittel!“

Die Josefstadt bemüht sich sichtlich, gute Schauspieler und originelle Besetzungen zu finden. So werden Föttinger und seine Frau Sandra Cervik Schnitzlers „Reigen“ spielen, Gregor Bloéb im Goldoni, Dominique Horwitz („The Black Rider“) in Neil LaButes „Wie es so läuft“, einer Othello-Variation. Otto Schenk, Martin Zauner sind in Nestroys „Unverhofft“ zu erleben, August Zirner in Horváths „Der jüngste Tag“ und Louise Martini in „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ nach dem Film „Driving Miss Daisy“.

Inline Flex[Faktbox] INFO: Spielplan, Vorverkauf("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2007)

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