Noch ist das Boot aus dem Reich der Mitte beim America's Cup ein Underdog. Doch für den Segelsport öffnet sich mit Chinas Teilnahme ein neuer Horizont.
Valencia. Der Jubel wollte gar kein Ende nehmen: Team China, der Underdog im Feld des Louis Vuitton-Cup hatte Favorit BMW Oracle geschlagen – eine Sensation. Dem Segel-David hatte dabei allerdings in die Hände gespielt, dass der Regatta-Goliath mit einer gebrochenen Halterung des Vorsegels zu kämpfen hatte. Es war das einzige Mal, dass „Long Zhe“, der „Sohn des Drachen“, wie das chinesische Boot heißt, Feuer spie.
Die Favoriten haben sich im Louis Vuitton-Cup, in den Matchraces Boot gegen Boot, längst abgesetzt. Die vier besten kämpfen in Finalrunden darum, wer im eigentlichen America's Cup den Titelverteidiger aus der Schweiz, Alinghi, fordern darf. BMW Oracle (USA), Luna Rossa (I) und das Emirates Team (Nzl) haben die ersten drei Ränge gebucht, bis 9. Mai kämpfen noch Desafo (Sp), Victory Challenge (Sd) und Mascalzone (I) um den vierten Platz.
Deutschlands United Internet und das China-Team aber sind weit abgeschlagen. Im Fall der Chinesen hat das drei Gründe: Das klar unterdotierte Budget von rund 15 Millionen Euro. Ein Zehntel dessen, was das Alinghi-Team zur Verfügung hat. Die mangelnde Erfahrung der Mannschaft. Und das babylonische Sprachgewirr an Bord: Die Chinesen beherrschen großteils nur ihre Muttersprache.
„Wir wollen den Cup gewinnen“
Als der 41-jährige Chinese Chaoyong Wang, Vorstand der China Equity Investment Group, 2005 die Teilnahme am America's Cup verkündete, war das eine Sensationsmeldung. Das Regatta-Management gratulierte sich selbst, denn der Weg in eine der lukrativsten Wirtschaftszonen der Welt schien geebnet. Deshalb unterstützten sie das Projekt nach Kräften und führten Wang mit dem französischen Syndikat Le D©fi zusammen, das zwar über Know-how, nicht aber über Kapital verfügte. Mit 180 Millionen Euro Budget war spekuliert worden, doch Chinas Geldgeber zögerten. Wochenlang musste die Crew mitunter auf ihr Salär warten. Doch das Interesse wächst: Kürzlich wurde der erste chinesische Großsponsor ins Boot geholt.
„Wir wollen den Cup gewinnen“, meinte R©mi Villard im Gespräch mit der „Presse“ allen Ernstes. Der PR-Mann ist wie Skipper Pierre Mas einer von vielen Franzosen im Team. „Nicht diesmal. Vorerst müssen wir Lehrgeld bezahlen.“ Die Chinesen aber wollten lernen, der „Pekingente“ quasi das Segeln beibringen. Aus Mangel an Seglern stammt nun nur ein Viertel des Teams aus dem Reich der Mitte, die Franzosen wären daher als Begleiter für die ersten Schritte engagiert. Villard: „In Qingdao, wo 2008 die olympischen Segelbewerbe ausgetragen werden, entsteht eine neue Basis. Dort sollen Segler und Techniker ausgebildet werden, um beim übernächsten Cup als chinesische Crew einen Coup zu landen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2007)