„Romeo & Julia“, „Rosenkriege“ und „Wallenstein“ in der Saison 07/08, gute Auslastung.
Volle Segel, volle Energie, einzigartiges Programm, beispielgebend, Kaderschmiede für Intendanten. Burgtheater-Direktor Klaus Bachler übertraf sich bei seiner Spielplan-Pressekonferenz am Freitag selbst mit Eigenlob. Der von der Kritik teilweise arg zerzauste Shakespeare-Zyklus kommt beim Publikum jedenfalls gut an. Die Auslastung der Shakespeare-Aufführungen liegt bei 96Prozent. Gesamtauslastung: 86Prozent.
Nicht nur Klassiker, auch neue Stücke gehen gut, sagt die Burg-Führung, Bachler und der Geschäftsführer Thomas Drozda. 15 Premieren gibt es in der kommenden Saison, davon fünf am Ring, sechs im Akademietheater und vier im Kasino. Wer glaube, das Burgtheater habe zu viel Geld, müsse „blind und taub sein“, meinte Bachler. Ihn ärgert der Geiz der öffentlichen Hand: „Ein Skandal! Die Kassen sind gefüllt, es herrscht Hochkonjunktur. Erbschafts- und Schenkungssteuer werden abgeschafft, und uns speist man mit ganz wenig Geld ab.“
Alle Hoffnung ruht auf den Sponsoren
Das Produktionsbudget des Akademietheaters werde bereits von Sponsoren, 30 an der Zahl, finanziert, sagt Drozda. 2,5Mio. braucht die Burg mehr. Um fünf Mio.€ wird das Bundestheaterbudget steigen, aber erst 2008, die wollen sich anscheinend je zur Hälfte Volksoper und Burg teilen. Da wird die Staatsoper protestieren. „Die Staatsoper hat genug“, meint Drozda. Bachler versucht es mit Humor: „Da wird der Springer (Holdingchef) was springen lassen müssen.“
Eröffnet wird die neue Saison mit Romeo und Julia. Sven Dolinski und Julia Hartmann werden das bewusst ganz jung besetzte Liebespaar spielen. Sebastian Hartmann, der Schauspielchef in Leipzig wird, inszeniert. Im November folgt im Haupthaus Der Löwe im Winter von James Goldman über die Vorgeschichte des Rosenkrieges, 1968 verfilmt mit Peter O'Toole, Katharine Hepburn, Anthony Hopkins und dreifach Oscar-gekrönt. Im Dezember kommt Wallenstein mit Gert Voss (Regie: Thomas Langhoff), im März Der Gott des Gemetzels von Yasmina Reza: Zwei Elternpaare versuchen, einen Streit ihrer Söhne (11) zu schlichten (Regie: Dieter Giesing). Stephan Kimmig widmet sich unter dem Titel Die Rosenkriege im Mai den drei Teilen von „Heinrich VI.“ und „Richard III.“.
Im Akademietheater inszeniert Stefan Bachmann Verbrennungen über Zwillingsbrüder, die durch den Tod der Mutter mit ihrer tragischen Familiengeschichte konfrontiert werden. Autor Wajdi Mouawad wurde 1968 im Libanon geborenund lebt in Kanada. Es folgen: Die Probe von Lukas Bärfuss, in dem ein junger Mann beim DNA-Test feststellt, dass er nicht der Vater seines Sohnes ist, Die Brüder Karamasow in der Regie von Nicolas Stemann; Andrea Breth inszeniert Motortownvon Simon Stevens über einen Soldaten, der aus dem Irak-Krieg zurückkehrt (das Stück war auch bei den Festwochen zu sehen). Dimiter Gotscheff bringt Heinrich IV. heraus.
Das Burgtheater sucht einen Spielort, weil es im Juni 2008 während der Fußball-Europa-Meisterschaft wegen der Fan-Meile das Haupthaus nicht bespielen kann: „Am liebsten wäre mir ein Zelt im Zentrum“, so Bachler und fordert dafür Geld. Die Arsenal-Probebühnen sind zu entlegen, Aufführungen müssen extra genehmigt werden, ferner beginnen dort die „Faust“-Proben. „Faust“ soll an einem Wochenende im Oktober 2008 Premiere haben (Regie: Jürgen Gosch).
Inline Flex[Faktbox] KARTENVERKAUF("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2007)