Verdacht des Insiderhandels: Wall-Street-Banker verhaftet

Einem Credit-Suisse-Mitarbeiter drohen bis zu 20 Jahre Haft.

New York/Wien (ag./sr). Es ist ein schwer wiegender Vorwurf: Der New Yorker Investmentbanker Hafiz Naseem soll laut US-Börsenaufsicht SEC zumindest neunmal vertrauliche Informationen über bevorstehende Firmenübernahmen an Bekannte weitergegeben haben. Diese hätten dann Wertpapiere gekauft und von deren Kursgewinnen profitiert. Entstandener Schaden: zumindest 7,5 Mio. Dollar (5,51 Mio. Euro).

Naseem war seit März des Vorjahres für die Credit Suisse an der Wall Street tätig. In allen ihm vorgeworfenen Fällen agierte die Bank entweder als Investmenthaus oder Finanzberater bei Firmenkäufen. Mit der illegalen Weitergabe von Informationen habe der Banker bereits unmittelbar nach seinem Engagement bei der Schweizer Großbank begonnen.

Verdächtiger Handel mit Optionen

Auf mögliche Ungereimtheiten aufmerksam wurde die SEC im Zuge der Milliarden-Übernahme des texanischen Stromversorgers TXU. Ein Konsortium rund um die New Yorker Beteiligungsgesellschaft KKR kaufte das Unternehmen für 45 Mrd. Dollar. Dies wurde am 24. Februar angekündigt. Einen Tag vorher seien 18.000 TXU-Call-Optionen an der Börse gehandelt worden – mehr als sieben Mal so viele wie an einem durchschnittlichen Februartag.

Call-Optionen geben dem Käufer das Recht, eine Aktie zu einem späteren Zeitpunkt um einen vorgegebenen Preis zu erwerben. Steigt der Kurs in der Zwischenzeit, erzielt der Inhaber der Option einen Gewinn, weil er das Papier unter dem Börsewert kaufen darf.

6700 solcher TXU-Optionen kaufte ein pakistanischer Banker, nachdem er eine Reihe von Anrufen von Naseems Dienst-Handy erhalten habe, so die Vorwürfe der SEC. Alleine an diesem Deal hätten die mutmaßlichen Betrüger zumindest 150.000 Dollar verdient. Stellen sich die Beschuldigungen als wahr heraus, drohen dem Investmentbanker bis zu 20 Jahre Gefängnis und fünf Mio. Dollar Strafe für jeden Bruch der Verschwiegenheitspflicht.

An wie vielen Fällen der 37-jährige Naseem – für ihn gilt die Unschuldsvermutung – genau beteiligt gewesen sein könnte, ist noch unklar. Die SEC spricht von „zumindest neun“. In Medienberichten ist bereits von mehr als 25 Übernahmen die Rede, vor denen es auffällige Kursbewegungen gegeben habe. Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg habe es vergangene Woche auch einen extrem regen Handel mit Optionen auf Aktien des US-Medienkonzerns Dow Jones gegeben. Diese Woche wurde das Übernahmeangebot in Höhe von fünf Mrd. Dollar durch den Medienmogul Rupert Murdoch bekannt gegeben.

Ausmaß noch viel größer?

Die Verhaftung des Investmentbankers Naseem ist bereits der zweite schwere Fall von Insidervorwürfen an der Wall Street in diesem Jahr. Im März wurde Mitarbeitern der Investmentbanken Morgan Stanley, UBS und Bear Stearns & Co. vorgeworfen, Insiderinformationen untereinander auszutauschen. Die SEC ermittelt.

Die jetzige Festnahme des Credit-Suisse-Bankers könnte jedenfalls erst der Anfang einer Verhaftungswelle sein. „Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Stephen Korotash vom SEC-Büro in Texas. „Wir wissen, dass es andere Personen gibt, die meinen sie seien nicht entlarvt worden. Sie irren sich.“ Credit Suisse zeigte sich „schockiert“ und sagte den zuständigen Behörden vollständige Kooperation zu.

Inline Flex[Faktbox] DER VORWURF("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2007)

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