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Schottische Nationalisten feiern Sieg

Großbritannien. Für die Labour-Party des scheidenden Premiers Tony Blair wurde ein Alptraum wahr. Alex Salmonds Nationalpartei drängte sie in Schottland von Platz eins.

LONDON. Nach rekordverdächtigen 19 Stunden und 30 Minuten Stimmauszählung stand das historische Ergebnis am Freitagabend fest: Die Schottische Nationalpartei (SNP) ist mit 47 Mandaten erstmals in ihrer Geschichte zur stärksten Partei Schottlands geworden. Damit beendeten die Nationalisten unter Alex Salmond eine 50-jährige Vorherrschaft der Labour Party, die nach dem Verlust von vier Sitzen letztlich auf 46 der 129 Mandate im Holyrood, dem schottischen Parlament in Edinburgh, kam.

Wie erwartet kostete der feurige SNP-Chef Salmond seinen Triumph aus. Voller Stolz erklärte er in einer ersten Reaktion auf seinen Wahlsieg: "Damit haben wir das moralische Recht, Schottland zu regieren."

Schwierige Partnersuche

Das aber wird schwierig: Denn alle anderen Parteien lehnen das Hauptziel der SNP, die Unabhängigkeit Schottlands, ab. Zudem blieb der Wunschpartner der Nationalisten, die Liberaldemokraten, mit nur 16 Mandaten bei der Wahl zu schwach, um gemeinsam mit den Nationalisten eine Mehrheit zu stellen. Bleiben noch die drei unabhängigen, die Salmond ab nun umwerben muss. Eine stabile Regierung ist damit, wie Labour in der Wahlpropaganda gewarnt hatte, in weiter Ferne.

Dennoch ist damit zu rechnen, dass der 52-jährige Salmond alles daran setzen wird, seinen politischen Traum zu verwirklichen. Der ehemalige Ölingenieur, den seine eigene Partei vor ein paar Jahren wegen seines kontroversiellen Stils abgewählt hatte, will unbedingt zum Vater der schottischen Unabhängigkeit werden.

Referendum  bis 2010

Für Labour wurde mit dem Sieg der Schottischen Nationalpartei ein Alptraum wahr: Ausgerechnet der Schotte Gordon Brown wird sich in Kürze als neuer britischer Premier mit den Nationalisten herumschlagen müssen, denen die 1999 eingeführte Aufwertung ihrer Rechte (Devolution) längst nicht weit genug geht.
Bis 2010 will die SNP die Schotten in einer Volksabstimmung über die volle Unabhängigkeit entscheiden lassen. Dabei hatte das Chaos bei der Wahlauszählung in Schottland es der Labour Party lange zu hoffen gestattet, bei den Wahlen in Schottland, Wales und den Lokalwahlen in weiten Teilen Englands sei das Schlimmste an ihr vorübergegangen.

Blair gibt sich philosophisch

Am Ende der Amtszeit von Premier Tony Blair waren die Erwartungen so niedrig, dass selbst der Verlust der absoluten Mehrheit in Wales und über zehn Städten in England bei Labour fast wie ein Sieg gefeiert wurde.
Blair gab sich angesichts des Wahlergebnisses philosophisch: "Zur Halbzeit einer Legislaturperiode ist es normal, eine übergezogen zu bekommen."

Mit Genugtuung stellte Labour zudem fest, dass den Konservativen nicht der erhoffte große Durchbruch geglückt war. Zwar konnten sie erstmals wieder in Städten Englands wie Birmingham Fuß fassen, blieben aber in Schottland (erwartet) und Wales (unerwartet) schwach.

"Freude" bei Konservativen

Eine Spur zu sehr erfreut, um glaubhaft zu wirken, sprach Tory-Chef David Cameron dennoch von einem "Durchbruch, der uns auf Kurs für einen Sieg bei der nächsten Parlamentswahl bringt." Bis dorthin aber wird es noch ein langer Weg sein.