In einer aktuellen internationalen Studie wird ein direkter Zusammenhang zwischen Gesetzgebung und Alkoholkonsum aufgezeigt. Laut österreichischen Experten ist das allerdings nur bedingt nachvollziehbar.
WIEN. Können strengere Gesetze, wie sie gefordert werden, im Kampf gegen das „Komatrinken“ tatsächlich helfen? Eine aktuelle Studie italienischer und amerikanischer Wissenschaftler legt diesen Schluss zumindest nahe. Sie untersuchten die unterschiedlich liberalen Regelungen in 30 Staaten der OECD und ob ein Zusammenhang mit dem Pro-Kopf-Alkoholkonsum besteht.
Das Ergebnis: Je liberaler ein Land mit Alkohol umgeht, desto höher ist auch der Konsum. Im OECD-Vergleich liegt Österreich was die Strenge von Gesetzen betrifft an viertletzter Stelle, liberaler sind nur Deutschland, die Schweiz, Luxemburg. Die restriktivsten Regelungen gibt es in Norwegen.
Grundlage der Daten waren unter anderem Verfügbarkeit von Alkohol, Altersbeschränkungen, Alkoholpreise und Werbebeschränkungen der Länder. Für Einschränkungen und Verbote gibt es Punkte, maximal 100 sind zu erreichen.
„Die Studie geht von der nordeuropäischen Alkoholkontrollpolitik aus“, sagt Ulrike Kobrna vom Ludwig Boltzmann-Institut für Suchtforschung, „diese Voraussetzungen sind für Österreich nicht zutreffend.“ Denn während die Studienautoren von einer bundesweiten Alkoholkontrollpolitik ausgehen, gibt es in Österreich eine Reihe nicht akkordierter gesetzlicher Regelungen, die Alkohol betreffen.
Die Schlussfolgerung, dass strengere Gesetze – wie Alkoholverbot im öffentlichen Raum – zu weniger Alkoholkonsum führen, will sie so nicht gelten lassen. So sei der Konsum von Alkopops in Österreich im gleichen Ausmaß zurückgegangen, wie in Ländern, wo sie für Jugendliche verboten wurden. Kobrna: „Allein Gesetze verantwortlich zu machen, greift zu kurz.“ Meinung S. 43
("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2007)