Einfache Lösungen

Es ist natürlich schön, wenn man für alle Probleme der Welt einfache Lösungen hat: CO2 ist der große „Klimakiller“. Um die Welt zu retten, vertreiben wir die produzierende Industrie aus Deutschland und Österreich (woanders geht man mit dem jeweiligen Mode-Schadstoff ja etwas weniger hysterisch um), fahren nur noch mit dem Rad, leben fürderhin vom gegenseitigen Haareschneiden (Dienstleistungsgesellschaft nennt man das dann) – und sind glücklich und zufrieden in dem Bewusstsein, die Welt gerettet zu haben.

Was aber, wenn die Sache ein wenig komplexer ist? Wenn sich herausstellen sollte, dass sich um den Beelzebuben CO2eine Milliardenindustrie mit effizienter Lobby gebildet hat, die dafür sorgt, dass die Scheinwerfer strikt auf die „Klimakiller“ Verkehr und Industrie hingerichtet sind, während beispielsweise das überwiegend durch exzessive Tierzucht verursachte Treibhausgas Methan (das auf globaler Basis am Treibhauseffekt einen ähnlichen Anteil wie der Verkehr hat) von der gleichen Lobby tunlichst ausgeblendet wird?

Und was gar, wenn sich herum spricht, dass (die Zahlen variieren je nach Wissenschaftler) zwischen 50 und 65 Prozent des Treibhauseffekts (über Rückkopplungseffekte) auf schlichten Wasserdampf zurückgehen? Verfolgt die „Krone“ dann Eierkocher und Suppenköche als „Klimakiller“? Fordert Greenpeace dann die Trockenlegung des Pazifiks? Und vor allem: Ist dann der Wasserstoffmotor, von dem jetzt alle träumen, immer noch die tolle Innovation, die uns vor dem Kollaps rettet?

Man sieht, es ist alles sehr kompliziert. Es wird also Zeit, dass die zweifellos notwendige Diskussion über Energiewende und Treibhausgasreduktion von der interessenspolitischen auf die technisch-wissenschaftliche Ebene zurückgeführt wird. Sonst wird die Sache bald kabarettistisch.

Ein schönes Beispiel, wie „gut gemeint“ das Gegenteil von gut sein kann, liefert soeben das deutsche Bundesland Schleswig Holstein: Die Norddeutschen wollen in Sachen Energieerzeugung zu einem Musterland werden und drehen, wie der „Spiegel“ neulich süffisant vermeldete, die drei Atomkraftwerke des Landes ab. Der Strombedarf soll bis 2020 zur Gänze aus Offshore-Windkraftwerken gedeckt werden.

Eigentlich eine tolle Sache, denn wenn der Wind irgendwo ordentlich bläst, dann vor norddeutschen Küsten. Freilich: Windkraftwerke brauchen Ersatzkapazitäten für Flautezeiten. Und die werden auf Steinkohlebasis errichtet. Der CO2-Ausstoß im Norden wird dank des Einsatzes umweltfreundlicher Windkraft also steigen. Und genau so hat man sich politisch verordnete Umwelt-Korrektheit vorgestellt.


josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2007)


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