Milizbeauftragter Entacher kritisiert die Verkürzung des Grundwehrdienstes.
Wien. Die Zukunft der Miliz ist unter Experten umstritten. Während der frühere Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Miliz 2010“, Werner Bittner, aus Protest gegen die Entwicklung zurückgetreten ist und prophezeit, dass die Miliz aufgrund des Nachwuchsmangels in drei Jahren tot sein werde, sieht Edmund Entacher, Milizbeauftragter von Verteidigungsminister Norbert Darabos, die Lage deutlich positiver. „Ich verstehe die Besorgnis“, so Entacher im Gespräch mit der „Presse“. „Ich bin aber optimistisch, dass der Aufbau der Miliz wie geplant gelingt.“
30.000 Mann soll die Miliz künftig umfassen. In Zeiten des Kalten Krieges waren mehr als 100.000. Das Problem: Durch die Verkürzung des Wehrdienstes und die Abschaffung der verpflichtenden Truppenübungen ist die Miliz auf Freiwillige angewiesen. Im Bereich der Offiziere sei das überhaupt kein Problem, sagt Entacher. Es gebe genug Einjährig Freiwillige, die die Offiziersausbildung machen. Ebenso sei es kein Problem gewesen, 5000 Experten zu finden, die ihr Wissen dem Bundesheer zur Verfügung stellen.
Anreize für die Miliz
Bei den Unteroffizieren und der Truppe hofft Entacher, dass das Anreizsystem greift, das ab kommendem Jahr eingeführt wird. Dann bekommen jene Grundwehrdiener, die sich bereits während des Wehrdienstes für die Miliz entscheiden, 412 Euro zusätzlich zum Sold. Außerdem können sie ein Bildungsangebot nutzen, das auch für die Tätigkeit in der Privatwirtschaft sinnvoll ist. Dazu gehören beispielsweise Computerkurse und Rhetorik-Schulungen.
Sehr wohl ein Problem ist laut Entacher aber die Verkürzung des Grundwehrdienstes auf sechs Monate bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Assistenzeinsatzes an der Grenze. „Das ist schwerst nachteilig für das Heer“, so der frühere Kommandant der Landstreitkräfte. Durch die zwei Monate an der Grenze fehle die Zeit für die Ausbildung. So sei es nicht möglich, einen Teil der Unteroffiziers-Ausbildung bereits während des Grundwehrdienstes durchzuführen. Mit einer Änderung rechnet Entacher aber nicht: „Das ist passiert, derzeit sehe ich keine Möglichkeit, den Grundwehrdienst wieder zu verlängern.
Für die Zukunft rechnet Entacher mit einem höheren Finanzbedarf für das Heer. Schon wegen der europäischen Zusammenarbeit werde Österreich mehr in die Ausrüstung investieren müssen, um sich an internationalen Einsätzen beteiligen zu können.
ZUR PERSON
Edmund Entacher ist Miliz-Beauftragter im Kabinett von Verteidigungsminister Norbert Darabos. Der Generalleutnant war bis Mitte vergangenen Jahres Kommandant der Landstreitkräfte, ehe dieses Kommando im Zuge der Heeresreform im Streitkräftekommando aufging.
Entacher ist unter den hochrangigen Offiziere einer der wenigen, die der SPÖ nahe stehen. Er gilt als Favorit für den Posten des Generalstabschefs. Der Vertrag des derzeitigen Generalstabschefs Roland Ertl läuft Ende des Jahres aus.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2007)