ORF-Reform: "Freies Arbeiten wieder möglich"

Peter Huemer ortet einen gelungenen Klimawandel in der ORF-Information und hält „Mitten im 8en“ für ein „Verhängnis“.

Es ist ruhig geworden um die Initiative SOS ORF. Seit Alexander Wrabetz den Chefsessel am Küniglberg erklommen hat, ist von den streitbaren Aktivisten der Plattform kaum etwas zu hören. Dabei sind viele der Forderungen, die SOS ORF erhoben hat, bis heute nicht erfüllt: Neben einem „intelligenten Programm, das den Namen öffentlich-rechtlich verdient, auch im Hauptabend“ ging es unter anderem um eine Umstrukturierung der TV-Information und einen „unabhängigen und kompetenten Aufsichtsrat, der keine Parteiaufträge entgegennimmt“.

Wie also beurteilt SOS-ORF-Initiator Peter Huemer die Programmreform? „Sehr durchwachsen.“ Allerdings sieht Huemer einige Teilerfolge: „Nach allen mir vorliegenden Berichten von Kollegen hat sich das Klima im Informations-Bereich des ORF wesentlich gewandelt, es ist wieder ein freies, pluralistisches Arbeiten möglich. Das Streitgespräch zwischen Elmar Oberhauser und Alfred Gusenbauer (im ,Report‘ am 9.Jänner, Anm.) war völlig in Ordnung – so etwas hat es während der Schüssel-Jahre nicht gegeben, den hätte man sich nicht so anzufassen getraut“, so Huemer, „oder die Fernsehperformance des Herrn Voves, eine Mischung aus Politik und Kabarett: Wenn es das früher in der ÖVP gegeben hätte, es wäre nicht gesendet worden.“ Fazit: „Man ist kritischer gegenüber den Regierenden.“

Reinfall mit der Soap

Als „besondere Brezn“ des ORF bezeichnet Huemer „Mitten im 8en“. „Ich habe ja dagegen argumentiert, die ,ZiB‘ nicht mehr durchzuschalten – war aber auf verlorenem Posten. Wenn ich die wichtigste Informationsvermittlung im Land in der Hand habe, dann beschneide ich die nicht selber!“ Die Sendung funktioniere nicht. „Es ist ein Verhängnis, dass das so daneben gegangen ist.“

Huemer Resümee: „Zwei Argumente waren für ORF-SOS ausschlaggebend: Der ORF gehört nicht der Regierung – da gibt es eine deutliche Verbesserung. Der zweite Punkt war die deutlichere Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrages, was jetzt ,Public-Value‘ heißt. Und da muss man sagen: Der Erfolg ist bescheiden.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2007)

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