Williams-Pilot Alexander Wurz über einen exklusiven Club, in dem viel Geld, Politik und Gier im Umlauf sind. Er vermisst Schumacher nicht, den Österreich-GP aber sehr.
Die Presse: Am Sonntag (13.30, ORF1) läuft der vierte GP dieser Saison. Welche Erwartungen haben Sie?
Alexander Wurz: Was uns jetzt sicher erwartet, ist ein beinharter Kampf um die hinteren Punkteränge. Im Mittelfeld zwischen Renault, Toyota, Williams und Red Bull geht es ganz heiß zur Sache. Da liegen alle Autos innerhalb von einem Zehntel etwa. Und weil die 3 Top – Ferrari, Mercedes und BMW – die vorderen Plätze belegen, kämpfen quasi mindestens acht Autos um Platz 7 und 8 im Rennen. Der kleinste Fehler oder irgendetwas passt nicht – schon ist man weg vom Fenster.
Sind Sie mit ihren Resultaten zufrieden – Ausfall in Melbourne, 9. in Malaysia und 11. in Bahrain. Hätten Sie sich mehr erwartet?
Wurz: Natürlich wäre ich lieber mit Punkten aus Übersee nach Europa gekommen, aber ich brauche mich nicht verstecken und habe gezeigt, dass ich nach wie vor ein guter Racer bin.
Hat ein kleines Team wie Williams in dieser Saison überhaupt eine Chance, einen GP zu gewinnen? Sind McLaren und Ferrari nicht eindeutig zu übermächtig?
Wurz: Heuer wird es uns nicht gelingen, ein Rennen unter normalen Umständen zu gewinnen. Dazu sind die großen Teams zu weit weg. Aber grundsätzlich hat Williams sicherlich das Potenzial, wieder an die Spitze zurück zu kommen. Das erfordert viel harte Arbeit, was wiederum ein Grund war, warum Frank Williams mich verpflichtet hat, da er mich als Teil der Aufbauarbeit sieht.
Wie sehr hat sich Ihrer Meinung nach die Formel 1 in den vergangenen Jahren verändert? Sie sind ja seit mehreren Jahren hautnah dabei, kennen die Technik, die Menschen und das viele Geld, das dahinter steckt...
Wurz: Es hat sich Vieles verändert, und auch jetzt ist kein Tag gleich und jeder im Business muss immer am Drücker bleiben, um dabei zu sein. Andererseits sind gewisse Dinge noch genauso wie vor neun Jahren. Wichtig ist nur, dass man, im konkreten ich selbst, Spaß am Fahren hat und den Rest nicht zu sehr in sein Leben eindringen lässt. Denn für mich gibt es auch ein Leben außerhalb der Formel 1.
Wie unterscheidet sich eigentlich die Arbeit bei Benetton, McLaren und Williams?
Wurz: Alle Teams sind Weltmeisterteams und haben gleich, dass sie eines wollen – schneller als die anderen zu sein. Jedes Team hat sehr gute Leute und ein enormes Wissen und Geschichte. Jedoch ist die Atmosphäre und der tägliche Arbeitsablauf verschieden von Team zu Team, was meines Erachtens auf die Persönlichkeiten der Führungsetage zurückzuführen ist.
Wer ist nach dem Rücktritt von Schumacher der Star in der Formel-1? Alonso, Räikkönen – Wurz?
Wurz: Alonso war auch schon zu Schumi's Zeiten ein Star, denn er hat ihm die letzten beiden Titel abgenommen. Wer ein Star ist und nicht, möchte ich nicht entscheiden, das sollen die Fans tun.
Vermissen Sie Michael Schumacher, geht er der Formel-1 ab?
Wurz: Nein! Die einzigen Menschen, die mir abgehen, sind aus meiner Familie.
An was denken F1-Fahrer während des Rennens? Kann man den Job mit anderen in irgendeiner Form vergleichen? Wenn nicht, was macht diese Business so unique?
Wurz: Während des Tuns ist man voll damit beschäftigt. Und einzigartig ist es, weil es die höchst entwickelten und schnellsten Rennautos sind, die alle 14 Tage in der Weltöffentlichkeit antreten mit den besten Fahrern am Steuer. Gleichzeitig ist es ein sehr kleiner exklusiver Club, in dem viel Geld unterwegs ist und somit viel Politik und Gier im Umlauf ist. Das ist natürlich Teil dieses Sports und/oder Business, wie immer du es siehst.
Wird es jemals wieder einen österreichischen Formel-1-Weltmeister geben nach Jochen Rindt und Niki Lauda? Heißt der vielleicht Wurz?
Wurz: Ich hoffe, wir erleben es.
Und – gibt es jemals wieder einen Österreich-GP? Wäre es nicht fantastisch, wieder daheim zu racen?
Wurz: Es schaut nicht gut aus, aber letztendlich kommt es auf's Geld an. Wenn jemand genug Kohle in die Hand nimmt, um den GP ins Heimatland zu holen, wird Bernie Ecclestone nicht warten. Für wen in Österreich – ob Regierung oder Industrie – eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufgeht, weiß ich nicht. Aber wie gesagt, wer zahlt bekommt, einen GP. Wobei eines sicher ist: So einen billigen Vertrag, den Österreich damals hatte, wird's nie wieder geben. Aber es wäre sehr schön, wieder einen GP zu haben.
ZUR PERSON
Alexander Wurz ist seit 1997 in der Formel-1. Der zweifache Familienvater (33) fuhr bereits für Benetton & McLaren-Mercedes, seit 2006 ist er bei Williams-Toyota engagiert.
Seit Saisonbeginn ist er als Stammpilot unterwegs. [EPA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2007)