Pop

Song-Contest: „Jetzt will jeder ein Lordi-Monster sein“

Der Bürgermeister von Helsinki, Pekka Sauri, jubelt.

HELSINKI/WIEN. An diesem Samstag bleiben alle Fischräucherkästen in ganz Finnland kalt. Und wäre die VIP-Sauna in der Hartwall-Areena von Helsinki nicht gebucht worden, bliebe auch der Finnen liebstes Hobby für wenige Stunden unbedacht. Doch ein Glücklicher hat das heiße Bankerl ergattert und kommt somit Samstagabend in den unheimlichen Genuss, den 52.Eurovisions Song-Contest direkt aus der Sauna-Loge zu verfolgen. Was bei Eishockeyspielen in der Arena Wunder bewirkt, kann sicherlich auch bei Musik-Hits nicht schaden...

Sogar im Zoo wird gesungen

Nachdem 2006 die Rock-Monster „Lordi“ mit ihrem „Hard Rock Hallelujah“ erstmals den Song-Contest für Finnland gewannen, rückte die Nation zusammen, aber Tango als Volksmusik ins zweite Glied. Dabei hatte kein Finne Gedanken daran verschwendet, dass ihre Monster gewinnen würden. „Wir hatten es als Witz angesehen“, sagt Helsinkis Bürgermeister Pekka Sauri bei einem Wien-Kurzbesuch, „jetzt will jeder ein Monster sein. Wir sind Song-Contest!“ Samstag sind es nicht nur fünf Millionen Finnen, sondern sogar einige Tiere. Auch im Helsinki-Zoo gibt es einen „Contest“, Besucher sollen Tierstimmen erkennen.

Natürlich hat das Event für Grün-Politiker Sauri – er verwandelte Helsinkis Innenstadt in eine 30er-Zone – enormen Effekt. 10.000 Besucher werden erwartet, von TV-Stunden, Nächtigungen, Tourismus-Erfolgen und Euro-Millionen ganz zu schweigen. Er bezeichnet den „Song-Contest als PR-Jackpot“ und damit die TV-Bilder auch tunlichst Party-Stimmung vermitteln, wurden Public-Viewing-Plätze installiert. „Vor allem am Senatsplatz werden sich die Massen drängen“, weiß Sauri. Warum? „He, dort spielten doch 1993 die Leningrad Cowboys mit dem Chor der roten Armee! Damals gab es politische Motive, heute ist alles nur Fun.“

Dieser Song-Contest liegt den Finnen am Herzen. Vor allem, weil die Schweden („Ob wir von denen 12 Punkte bekommen?“) schon viermal gewonnen haben. Warum konnte sich Sauri nicht erklären. Hauptsache, sie gewinnen nicht jetzt am Samstag. Eine Niederlage haben die „Svensker“ schon kassiert: Der Weihnachtsmann bleibt Finne, obwohl ihn die Nachbarn beanspruchten. „Das Duell haben wir gewonnen – für immer!“

Euro-Bowl, dann Euro-Songs

Sauri ist stolz, dass seine Stadt im Mittelpunkt steht. Dass Österreich bereits ausgeschieden ist, verwunderte ihn, schließlich „habt ihr doch eine große Musik-Kultur?“ In Sachen Song-Contest aber blieb es nur bei einem Hit, 1966 stürmten „Merci Cherie“ und Udo Jürgens die Spitze. Wer konnte da schon ahnen, dass 40 Jahre später finnische „Monster“ den Ton angeben? Wär's Marcel Bezençon, dem Song-Contest-Erfinder, recht gewesen?

Österreich ist jedenfalls weiterhin in Helsinki dabei. Die Vikings-Footballer greifen Samstag in der Euro-Bowl die Wolverines an. Sauri versprach, vorbeizuschauen, „als Einstimmung auf den Song-Contest“. Ob er das siebenköpfige „Vallilan-Tango-Orchester“ mitbringt, das Samstag in Straßenbahnen eine Offensive zur Tango-Renaissance startet, blieb offen. Vielleicht dann, wenn sie Monster-Masken tragen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2007)

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