"Die Autonomie hat sich bewährt"

Ballettdirektor Gyula Harangozó spielt 300.000 Euro extra ein und setzt 2007/08 auf Familien.

Natürlich seien noch Wünsche offen: „Ich wünschte, dass wir vor allem an der Staatsoper ausreichend Bühnen- und technische Proben hätten. Manchmal müssen wir darüber verhandeln – ein Automatismus wäre ideal.“ Gyula Harangozó muss sich arrangieren, das Ballett spielt an der Oper noch immer die zweite oder dritte Geige. Mit der Fusion der Kompanien der Staats- und Volksoper zum „Ballett der Wiener Staatsoper und Volksoper“ ist Harangozó zufrieden: „Im Prinzip funktioniert das sehr gut.“ Die anfangs schwierige Logistik – „die eine Hälfte des Balletts ist an der Volksoper, die andere Hälfte an der Staatsoper“ – habe man mittlerweile im Griff, „lange Kollektivvertragsverhandlungen“ und eine neue Flexibilität bei den Verträgen habe dies möglich gemacht. Und die finanzielle Autonomie? „Die hat sich bewährt.“

Spielt das Ballett nicht einen vorgegebenen Betrag ein, muss Harangozó die fehlenden Einnahmen aus der Ballett-Kasse an die Oper auszahlen. Liegen die Ballettvorführungen über den Vorgaben, dann fließt mehr Geld ins Ballettbudget: „Wir hatten letztes Jahr ein Plus von 300.000 Euro, und wenn es heuer so weiter geht, werden es wieder plus 300.000.“ Grund für den Optimismus: Boris Eifmans „Anna Karenina“ an der Volksoper habe „fast 100 Prozent Auslastung“ gehabt, die Hommage an Queen ebenfalls – da musste sogar ein zusätzlicher Termin (27. Juni) eingeschoben werden.

Mit Stichtag 24. April lag die Sitzplatzauslastung bei 86,2% (im Gegensatz zu 77,4% in der vorigen Spielzeit), vor allem die Volksoper hatte Nachholbedarf: „Dass unsere Positionierung in der Volksoper so schnell und gut gelingt, haben wir nicht erhofft“, sagt Harangozó. Das Ballett an der Staatsoper hat stabile 90–91% Auslastung, an der Volksoper sind es 79,2% (Vorjahr: 51,9%).

„Nussknacker“ für Kinder und Eleven

„In der nächsten Spielzeit möchten wir unseren Schwerpunkt auf die Familie legen“, so Harangozó. Erste Premiere ist Tschaikowskis „Nussknacker“ (28.9., Staatsoper), Choreografie und Inszenierung wird der Ballettchef selbst übernehmen. Er will die Brücke vom Puppenspiel zum Computerspiel schlagen. Dabei sollen die Eleven der Ballettschule eine tragende Rolle spielen. Hintergrund ist die Überlegung, bei einem breiten (und jungen) Publikum Werbung für den Besuch der Ballettschule zu machen.

Am 10. November hat dann „Max und Moritz“ zu Musik von Gioacchino Rossini an der Volksoper Premiere (Regie: Edmund Gleede, Choreografie: Ferenc Barbay und Michael Kropf, beide waren Protagonisten bei der Uraufführung 1984 in München).

Gäste: Malakhov, Semionova, Fadeyev

Am 11., 14., 16. und 18. März 2008 findet an der Staatsoper eine Ballett-Gala mit Dirigent Alexander Vikulov statt – mit dem Schattenakt aus „Die Bajadere“ (Choreografie: Marius Petipa) und dem Grand Pas aus „Paquita“ (ebenfalls von Petipa), dazu kommt die Europäische Erstaufführung von „Glow – Stop“ (Choreografie: Jorma Elo) und ein neues Stück von András Lukács.

An der Staatsoper wird „Die Bajadere“ wieder aufgenommen (ab 23. Dezember; Choreografie: Vladimir Malakhov). Malakhov wird in der kommenden Saison ebenso als Gastsolist erwartet wie etwa Polina Semionova oder „Kirov“-Tänzer Andrian Fadeyev, der im „Nussknacker“ tanzen wird.

PREMIEREN & EIN BONUS

Nussknacker (28.9.), Max und Moritz(10.11.), Gala (11., 14., 16., 18. 3. 08).

Ballett-Bonus/Bundestheater-Card: 25 € pro Saison – 15% Rabatt/außer Premieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.05.2007)

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