Meisterehren. Post-Basketballerinnen hoffen auf ersten Triumph seit 1951 – die Steger-Familie glaubt fest daran.
Wien. Ohne Idealismus, Freude, viel Arbeit, Spaß und ein bisserl Glück, sagt Ex-Vizekanzler Norbert Steger, hat niemand Erfolg. Er muss es als Präsident der Basketball-Bundesliga wissen, zudem ist Basketball auch sein Familien-Sport. Die Töchter Petra und Angela spielen bei Flying Foxes Post SV, seine Gattin Helga agiert dort als sportliche Leiterin. Gelingt den Post-Ladies der große Wurf mit dem ersten Meistertitel der Klubgeschichte seit 1951, wäre die Freude grenzenlos. Auch für Wien: Seit DBB (1988) ist die Bundeshauptstadt ohne Titel.
Um den „Hit“ zu schaffen, fehlt nur noch ein Sieg gegen Herzogenburg. Das nächste Spiel steigt am Donnerstag (19.30) in der Post-Halle Hernals und wer weiß, sagt Steger, vielleicht knallen dann ja die Sektkorken, „wenn die Schiedsrichter normal pfeifen!“ Dass er zu seiner Familie halte, könne ihm keiner verbieten, auch ein Liga-Präsident dürfe während eines Spieles Emotionen zeigen – wie jeder normale Fan. Und wenn einmal ein lauter „Foul“-Ruf von der Tribüne ohne Schiedsrichter-Pfiff verhallt, sei es zwar bitter, aber auch zu überleben.
Damen-Basketball liegt ihm auch deshalb so sehr am Herzen, sagt Steger, weil „Wien eine Hochburg für junge Spielerinnen“ sei. Da gebe es neben Post Klubs wie Kuenring oder Vienna 87, da stecke Herzblut, Engagement, Liebe drinnen. Ein Meister aus Wien würde dem Geschehen neue Impulse verpassen, die Finanzkraft dieser Stadt brauche doch jede Liga. Warum nicht bereits jedes Heimspiel so wie die Finalserie von Fan-Massen (400, Anm.) gestürmt wird, ist auch Steger glasklar: „Es muss um etwas gehen, etwas muss auf dem Spiel stehen – der Titel!“
Besondere Anreize setzt im Damen-Basketball auch die Idee des Verbandes, ein Nationalteam auf die Beine zu stellen, sagt Steger. „Das wäre etwas Tolles, zudem ist bei den Damen im internationalen Vergleich die Dichte gegenüber den Herren nicht so groß.“ Damit würden junge Mädchen neue Perspektiven und Ziele erhalten. „Gunnar Prokop hat es schon immer gesagt: Wenn Ziele da sind und Frauen sie erreichen wollen, sind sie leidensfähiger als Männer...“
Ohne Idealismus geht nichts
Dass Post die Legionärinnen Vargas Sanchez (USA) und Maria Arias Acosta (Kol) zu Saisonbeginn engagierte, sei ein besonderer Glücksfall gewesen, so Steger, sie könnten die Hernalserinnen tatsächlich zum Titel führen. Die U20-Meisterschaft hat der Klub fünfmal en suite erobert, da aber spiegelt sich auch genau die Härte des Sports wieder: Nur zwei Spielerinnen schafften den Sprung in die Kampfmannschaft. Viele wollten nicht mehr, andere gaben Freund, Liebe, Kind und/oder dem Beruf den Vorzug. Wie gesagt: Ohne Idealismus geht im österreichischen Damen-Basketball gar nichts. Ohne neue Ziele noch viel weniger.
ZUR PERSON: Norbert Steger
Der Ex-Vizekanzler und -Bundesparteiobmann der FPÖ (63) ist Rechtsanwalt und seit September 2004 Präsident der Basketball-Bundesliga.
Seine Frau Helga ist sportliche Leiterin bei Post SV, die Töchter Petra und Angela spielen für den Traditionsverein. [APA]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2007)