Wenn auf dem begrünten Dach gerodet wird

Bäume im Dachgarten können sich zu einem Problem entwickeln.

WIEN.Dass die Dachgärten in Wien in den vergangenen Jahren nur so aus dem Boden schossen, bemerkt der überraschte Betrachter beim Blick von einem höher gelegenen Aussichtspunkt – etwa der Terrasse am Haus des Meeres. Und auch das Wachstum auf den Dachgärten selbst hat mittlerweile eine gewisse Größe erreicht. Und das Wachstum wirft auch einige Probleme auf, an die man bei Dachgärten bisher noch kaum dachte.

„Fünf bis zehn Bäume auf Dachterrassen müssen pro Jahr gefällt werden“, schätzt Gerold Steinbauer, Obmann des Verbands für Bauwerksbegrünung. Und je nach Größe der Pflanze kann das einen gewissen Aufwand mit sich bringen. „Am Dach ist es natürlich komplizierter“, so Steinbauer.

Zum einen müsse man in luftigen Höhen höhere Sicherheitsmaßnahmen treffen, etwa Sicherung mit Gurten und Seilen. Zum anderen kann ein Baum auch nicht einfach umgeschlagen sondern muss stückweise „abgetragen“ werden.

Nur mit Bewilligung

Allerdings: Einen Baum einfach so zu entfernen, ist auch nicht möglich. Denn ab einem Stammumfang von mindestens 40 cm, gemessen in 1 Meter Höhe vom Beginn der Wurzelverzweigung gilt das Wiener Baumschutzgesetz. Auch auf Dächern. Das bedeutet, dass vor dem Entfernen eines Baumes eine Bewilligung beim Stadtgartenamt eingeholt werden muss.

Damit es gar nicht erst zu unliebsamen Überraschungen kommt, rät Steinbauer zu einer vernünftigen Planung. Das beginnt schon bei der Wahl der Pflanze. So sind kleinwüchsige Bäume zu empfehlen, etwa Kugelrubinien. Außerdem sollen die Pflanzen kleine Blätter haben, um dem Wind wenig Widerstand entgegenzusetzen. Schließlich sollen die Pflanzen regelmäßig ausgedichtet und zurückgeschnitten werden – Steinbauer spricht von „klein halten“.

Belastung für die Statik

Außerdem müsse die Statik des Gebäudes berücksichtigt werden. „Man braucht bei Bäumen eine Mindestschichtstärke von 80 cm Substrat“, so Steinbauer. Das könne schon zu einer Belastung von rund 1000 Kilogramm pro Quadratmeter führen. Und schließlich kann es auch vorkommen, dass Bäume mit Seilen vor dem Wind gesichert werden müssen. Sein Fazit: „Bei Bäumen im Dachgarten sollte man auf jeden Fall einen Fachmann ran lassen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.05.2007)

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