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Romantik macht mich krank

Jeder erinnert sich an die Französin aus "Before Sunset". Nun präsentiert Julie Delpy ihren Regie-Erstling. Im Interview erklärt sie, dass sie es gar nicht leicht hat in Hollywood und die Amerikaner ihr auch nicht wirklich liegen.

Eine Französin in Los Angeles ist Julie Delpy, und sie kennt sich mit Kulturunterschieden bestens aus. In ihrer ersten Regiearbeit nimmt sie nun Amerikaner und Franzosen heftig aufs Korn und legt eine politisch ziemlich unkorrekte Komödie vor. Denn eigentlich hasst sie Romantik, auch wenn sie bisher für Liebesfilme bekannt war.

„2 Days in Paris“ erinnert irgendwie an „Before Sunset“: ein Amerikaner und eine Französin in Paris ...

Ich habe die Geldgeber hereingelegt. Es war leichter für die, sich vorzustellen, dass eine Frau eine romantische Komödie dreht. Dabei wusste ich von Anfang an, dass ich etwas politisch Unkorrektes machen wollte. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schwer es ist, Geld für einen Film zu bekommen. Ich habe mein erstes Drehbuch mit 16 geschrieben und meinen ersten Film mit 36 gemacht.

Ist es nicht leichter, wenn man schon Leute in der Branche kennt?

Ganz im Gegenteil. Es ist einfacher für eine Schauspielerin als Wissenschaftlerin zur NASA zu wechseln als ins Regiefach. Dass ich auf der Filmhochschule war, interessiert niemanden. Das Business ist extrem frauenfeindlich. Bei Besprechungen starren sie dir eigentlich nur auf die Brüste. Wenn man ein kleines bisschen hübsch ist, nehmen sie dich noch weniger ernst. Viele meiner Drehbücher sende ich unter Männernamen ein und die meisten würden sofort finanziert werden. Wenn ich sage, von wem sie wirklich sind, ist das Geld ganz schnell wieder weg.

Arbeiten Sie lieber in Hollywood oder in Europa?

Beruflich bevorzuge ich Amerika, weil sie hier sehr hart arbeiten. In Frankreich geht es eher darum, wer mit wem ausgeht.

In Ihrem Film geht es um die kulturellen Gräben zwischen den USA und Europa. Welche Unterschiede fielen Ihnen als Erstes auf?

Details wie, dass Fisch hier nie im Ganzen verkauft wird und man nie richtig sieht, was man isst. Tiefgründigeres fällt einem erst später auf. In den USA sind alle freundlich, rufen aber trotzdem nie zurück. Ich bin immer wieder schockiert, wie wenig sich meine Bekannten hier um ihre Großeltern scheren. Ich telefoniere dauernd mit meiner Oma. Die Familie, die ich in meinem Film zeige, ist laut und streitet viel, aber es ist eine funktionierende Familie. In den USA wird wenig gestritten, aber es gibt wenig emotionale Bindungen.

Gehen Sie als Französin in L. A. jetzt auch auf Dates?

Nein, ich kann das nicht ausstehen. Wir Europäer sind es ja nicht gewohnt, mehrere Männer gleichzeitig zu treffen, um abzutesten, wer besser ist. Wir haben nicht einmal ein Wort für sowas. Das ist sehr amerikanisch und zeigt, wie materialistisch die Menschen hier sind.

Sind Sie dann eine Romantikerin? Das Drehbuch von Before Sunset stammte ja auch von Ihnen ...

Da habe ich alles Romantische hineingepackt, ansonsten bin ich eine sehr unromantische Person. Ich hasse dieses kitschige Zeug. Alles, was zu romantisch ist, macht mich krank. Ich gehe nie zu Hochzeiten. Wenn Freundinnen heiraten, sage ich „Schade ums Geld“.

Wer wird sich mehr von dem Film auf den Schlips getreten fühlen? Amerikaner oder Franzosen?

Franzosen werden nicht gerne an ihre Fehler aus der Vergangenheit erinnert. Sie haben ein Problem damit, zuzugeben, dass sie ein rassistisches Land sind. Ich hoffe, dass der Film da ein bisschen was bewirkt.

Sind Sie eine strenge Regisseurin?

Nein, es ist wie bei Politikern. Die Hälfte des Regieführens macht aus, mit welchen Menschen man sich umgibt. Glauben Sie, Bush wäre noch an der Macht, wenn er sich nicht mit den richtigen Leuten umgeben würde? Ich höre jedem zu, aber die letzte Entscheidung bleibt bei mir. Ich war einmal bei einem Film dabei, da hat der Hairstylist versucht, die Agenden des Regisseurs zu übernehmen. Das ist immer ein schlechtes Zeichen, wenn der Friseur sich einmischt.

Was wurde aus diesem Film?

Er ist nie ins Kino gekommen. Die beiden haben das Boot gemeinsam zum Sinken gebracht.