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„Puppy“, Piranhas und der Trauerflor

Im Test. Der Tod von sechs Haien hat das „Haus des Meeres“ schwer getroffen. Ein Besuch lohnt sich trotzdem. Puppy sei Dank.

Fische sind ja auf einer Skala der attraktiven Haustier-Möglichkeiten eher ganz unten angesiedelt. Weil sie für ziemlich viel Aufwand (Aquarium putzen und so weiter) eigentlich wenig können. Und einem auch noch schwindlig wird, wenn man zu lange ins Aquarium starrt.

Das ist bei Fischen, die in öffentlichen Aquarien schwimmen (müssen), ganz anders. Schwindlig wird einem mitunter zwar auch, aber das macht die Anziehungskraft, die von sehr vielen sehr bunten Fischen ausgeht, wieder wett. Wie etwa im Wiener „Vivarium“ (besser bekannt als „Haus des Meeres“), in dem sich heuer viel getan hat.

Hauptattraktion Nummer eins ist das neue Haibecken, das ziemlich spektakulär ist – nur leider auch ein bisschen leer wirkt. Denn sechs der neun Haie sind kurz nach der Übersiedlung gestorben. (Der Befund wird nächste Woche erwartet). Daran erinnert der Trauerflor, der um das Schild des „Schwarzspitzen-Riffhai“ gehängt wurde. Auch von den drei überlebenden Haien wagt sich nur einer sporadisch in Glasscheiben-Nähe.

Wahrscheinlich wäre „Puppy“, die Meeresschildkröte, aber auch bei mehr Hai-Präsenz die große Heldin der Kinder, die nun auf zwei Stockwerken vor den Glasscheiben stehen (und sitzen) können. Schwimmt sie doch verlässlich direkt vor den Scheiben auf und ab, was ihr begeisterte „Puppy“-Rufe einbringt.

„Sie ist ein bisschen zickig, weil sie aufs Essen wartet“, erklärt eine Pflegerin. Es ist Donnerstag, 18 Uhr, Zeit für das „Haitauchen“, bei dem ein Taucher zeigt, dass Haie keine Monster sind, man also ruhig mit ihnen im selben Aquarium schwimmen kann (trotzdem: nicht selbst ausprobieren). Als Puppy den Taucher in den Hintern zwickt, ist die Freude bei den Kindern groß.

Die beste Idee beim Bau des 300.000-Liter-Beckens war wohl der sechs Meter hohe Schlitz, der in die Außenwand des ehemaligen Flakturms geschnitten wurde. Der taucht das Becken mit seinen hunderten kleinen Fischen in ein schönes, gegen Abend fast gespenstisches Licht. Sehr fein.

Die zweite Novität ist die Dachterrasse, die einen der besten Blicke auf Wien bietet. Seit kurzem gibt es eine Not-Stiege. Somit sind nicht mehr nur 30 Menschen gleichzeitig auf der Terrasse erlaubt, man kann sich den Rundum-Blick also entspannt geben. Was man gerne öfter tun würde, müsste man nicht – großes Minus – jedes Mal den Eintritt für das „Haus des Meeres“ zahlen.


Die „Seenadel“ hat Nachwuchs

Eine weitere Attraktion des Hauses, das sich den Charme der 50er-Jahre bewahrt hat, übersieht man schnell: Den Nachwuchs bei den „Seenadeln“. Die sehen so aus, wie sie klingen – wie schwimmende Grashalme – und sind demnach von der Breitenwirksamkeit eines Knut weit entfernt.

Kinder zieht es zu den „Nemos“ im dritten Stock, wo mit den tropischen Fischen die attraktivsten Exemplare schwimmen. Menschen mit Arachnophobie sollten den ersten Stock mit seinen fetten Vogelspinnen auslassen – auch wenn sie dadurch die Blattschneide-Ameisen versäumen, die durch die durchsichtigen Haltegriffe eilen – gute Idee, die nicht jedem gleich auffällt.

Nächstes Projekt ist der Bau eines Krokodil-Parks. Dann sollte man unbedingt den „Shop“ (den ja heute jedes Bezirksmuseum hat) ausbauen – derzeit ein kleines Regal gegenüber der Kasse. „Puppy“ aus Plüsch könnte ein Renner werden. Die „Seenadel“ aus Stoff muss aber nicht sein.

INFO: Haus des Meeres

Geöffnet: Täglich von 9-18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr. „Hai-Tauchen“ Donnerstag um 18 Uhr, Piranha-Fütterung Mi. und So. um 15 Uhr.

Eintritt (inkl. Dachterrasse): für Erwachsene 10,30 €, Kinder bis fünf 3,30 €, bis 15 Jahre: 4,80 €

www.haus-des-meeres.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2007)