Rallye-WM. Manfred Stohl fuhr in Sardinien auf Platz 7, Grönholm zur WM-Führung.
Olbia. Auf Sardinien kann man viel erleben, nur wundern darf man sich nicht. Denn während die Rallye-WM ihre Runden auf der Jet-Set-Insel drehte, versuchte doch tatsächlich ein Wiener Tourist, 16 Möwen am Strand das Fußballspielen beizubringen. Dass der gute Mann nicht sofort von den Carabinieri abgeführt wurde, lag nur daran, dass alle im Rallye-Einsatz waren und Sieger Marcus Grönholm (Fin, Ford) Geleitschutz bis in den Servicepark gaben. Somit stand der Wiener allein am Strand und im Abseits.
Sowohl der Finne als auch Manfred Stohl (Citroën) hatten vom Ausfall des Seriensiegers Sebastian Loeb profitiert und sich wichtige WM-Punkte gesichert. Freilich hatte Grönholm mehr vom Ausrutscher des Franzosen, denn er übernahm so die WM-Führung. Für Stohl war der Auftritt in Sardinien mit Rang 7 (WM-Platz 10) dennoch ein sehr gelungener. Denn „endlich“, so Stohl, „hat das Auto besser funktioniert. Ich habe ein neues Set-Up und neue Stoßdämpfer. Noch wars nicht perfekt, aber im Gegensatz zu den letzten Rallyes um Welten besser. Ich fahre nicht mehr im luftleeren Raum.“
Für Stohl, der 2006 seine beste Saison fuhr und diese als WM-Vierter beendete, ist dieses Jahr alles anders. Während im Vorjahr die Kluft zwischen Werks- und Privatteams nicht größer geworden war, hat sich der Abstand nun verdoppelt. Deutlich wird es in Zeitrückständen, an denen nicht nur Stohl („5:28,6 Minuten hinter Grönholm – ich hab doch das Autofahren net verlernt?“) schwer zu knabbern hat, und in Podiumsplätzen, die einzig und allein ein Quartett (Loeb, Grönholm, Hirvonen und Solberg) unter sich auszumachen scheint. Warum? Ihre Teams Citroën, Ford und Subaru, die einzigen drei Automobilhersteller, die derzeit die WRC-WM bestreiten – investieren zig Millionen in die Entwicklung. Logisch, können Absatzzahlen nur durch Erfolge und konstante Weiterentwicklung der laufenden Modelle erreicht werden. Da wird der Raum eng wird für Privatiers wie Stohl einer ist.
Gerüchte um Ausstieg dementiert
Dass er aber an den Erfolgen von 2006 gemessen wird, ist ihm bewusst. Nur verdeutlicht er stets, dass nicht „mehr möglich ist, wenn das Material nicht gleichwertig mit den Werksteams ist“. Mit einer Ente könne man ja auch keinen Ferrari stehen lassen: „Ich werde kämpfen, ich mache natürlich meinen Job weiter“, zeigt der Wiener sein Kämpferherz und wies damit auch Spekulationen zurück, nach der Akropolis-Rallye (Ende Mai) mitsamt seinem Sponsor OMV aus dem laufenden Vertrag mit dem Kronos-Team und Citroën auszusteigen. Ein echter Wiener geht nicht unter, außer er schreit Möwen am Strand an...
Endstand nach 18 Sonderprüfungen: 1. Grönholm (Fin/Ford) 2. Hirvonen (Fin/Focus) 3. Sordo (Sp/Citroen) 4. Solberg (Nor/Ford) 5. Solberg (Nor/GB/Subaru) 6. Gardemeister (Fin/Mitsubishi) 7. Stohl/Minor (Ö/OMV Kronos Citroën).– WM-Stand: 1. Grönholm 55 2. Loeb 48 3. Hirvonen 45 10. Stohl 8. – Konstrukteure: 1. Ford 99 2. Citroën 78 3. Ford 37 5. OMV-Kronos-Citroën 25.
ERFOLG FÜR WITTMANN JUN.
Der Sieg bei der Bosch-Rallye (Pinggau) ging an das Duo Franz Wittmann junior/Bernhard Ettel. Da Wittmanns Mitsubishi aber nicht als Gruppe-A-Auto in der Meisterschaft nicht gewertet wird, erhält der zweitplatzierte, Raimund Baumschlager, die Punkte für die Österreichische Meisterschaft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2007)