Im Gespräch: Die Schönheit muss zugrunde gehen

Schwab und Bechtolf als "Venus und Adonis" im Burgtheater – über die Liebe und die Liebe zu Shakespeare im Besonderen.

Charlotte Schwab und Sven-Eric Bechtolf, privat ein Paar, geben am Burgtheater heute, Dienstag, eine szenische Lesung von Venus und Adonis. Wer spielt denn wen in diesem zweideutigen, die Geschlechterrollen verwirrenden, an Ovid geschulten Versepos Shakespeares? Dort hat die Göttin den fordernden, dominanten Part, Adonis ist die Beute, ein Liebesobjekt. „Es hat sich in den letzten Wochen herausgestellt, dass ich als Venus einfach zu gut bin“, scherzt Bechtolf: „Ach Quatsch! Natürlich bin ich der Adonis. Ich finde dessen Verhalten gar nicht so reduzierbar auf weibliche Eigenschaften, das sind emblematische Figuren. Der Halbgott und die Göttin treffen sich, die Schönheit muss zugrunde gehen, und Venus verflucht die Liebe. Adonis ist wahnsinnig jung, er sagt von sich selbst, dass er noch nicht so weit sei.“ Wie kommt der Schauspieler mit der Erotik klar? „Ich will ja nicht! Mein Lieblingsvers ist der vom Fluch der Liebe.“

Die reife Frau und der junge Mann, das traf auch auf Shakespeares Verhältnis zu Anne Hathaway zu. Bechtolf sieht in diesem aber wenig Einfluss auf das Epos: „Soweit ich weiß, hat er die arme Frau mit den Kindern in Stratford sitzen lassen, um in London Karriere zu machen. Und dann hat er ihr nur das zweitbeste Bett vermacht. Nein, darum geht es in Venus und Adonis nicht. Dieses Epos war zu Shakespeares Lebzeiten äußerst populär. Die Dichtung trat in Konkurrenz zur Malerei. Er macht Großaufnahmen, wie auch feinste Details. Er spricht in allen Facetten über die Flüchtigkeit der Liebe, schließlich über ihre Traurigkeit, ihren Verlust.“ Das Vielschichtige reizt Schwab: „Man muss bedenken, dass Theater damals nur von Männern gespielt wurde. Shakespeare hat mit diesen Verkleidungen gespielt, die sind sexuell sehr interessant.“

Die Vortragenden haben sich auch ein wenig in das Vorbild Ovid vertieft: „Die Mythologien erschließen sich einem ungebildeten Leser wie mir nur dann, wenn man sie genau abgeklopft hat“, sagt Bechtolf. Er ist ganz eingenommen von Eros, Schwab hingegen von Diana. „Die hat den Männern einen ins Kreuz gegeben“, lacht ihr Partner.

Das muss man mit Leidenschaft machen

Wie ist der Umgang mit diesem gezierten höfischen Text? „Den kann man nur in Maßen spielen, man darf die Form nicht unterschlagen, muss sie aber gleichzeitig mit Leben füllen“, sagt Bechtolf. Schwab: „Venus ist schon sehr emotionell, sie will diesen Jungen haben, will ihn mit allen Mitteln von der Eberjagd abhalten. Das muss man mit Leidenschaft machen. Es ist erstaunlich, wie wenige dieses wunderbare Werk kennen.“

Die Übersetzung stammt von Ferdinand Freiligrath. Die Schönheit der Verse ist den beiden wichtiger als das Drastische bei Shakespeare. Bechtolf: „Ich habe mit Wolfgang Wiens als Dramaturgen Romeo und Julia übersetzt, weil uns alles andere auf die Nerven gegangen ist. Ich finde die Übersetzungen von Frank Günther oft zu drastisch und zu modern. Man kann das auch verteidigen, weil die Gossensprache bei Shakespeare ebenfalls drin ist, neben dem hoch Lyrischen, eine immense Bilderflut. Ich bin aber eher für eine genaue, etwas altmodische Übertragung. Die Leute kommen nicht wegen meiner Verse, sondern wegen Shakespeare ins Theater. Ich halte diese Übermalungen nicht für statthaft.“ Schwab findet die moderne Sprache „legitim für gewisse Situationen, aber auf gar keinen Fall darf die Schönheit des Textes verloren gehen.“

Wird Bechtolf sich als Regisseur künftig Shakespeare widmen? „Es klingt anmaßend, ob er in meinem Lebensplan noch drin ist.“ Schwab: „Du willst doch Richard II. machen.“ Bechtolf: „Na gut, wenn du davon redest – ich versuche das gerade für Bregenz zu fixieren.“ Und was kann sich Schwab an Rollen vorstellen? „Hamlets Mutter würde ich gerne spielen, oder die Amme in Romeo und Julia. Am liebsten aber wäre mir Kleist.“

„Venus und Adonis“. Bechtolf und Schwab lesen die Verserzählung im Rahmen der Reihe „Shakespeare – Eine Republik von Fehlern“. 22. Mai, Burgtheater, 20 Uhr.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.05.2007)

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