Alkohol bei Sonne doppelt gefährlich

Experten warnen vor Wein & Co bei großer Hitze – der Körper trocknet aus.

WIEN.Bei Hitze droht Gefahr. Dann nämlich, wenn sie mit Alkohol kombiniert wird. „Hitze führt über das Schwitzen zum Austrocknen des Organismus über die Haut, Alkohol über die Anregung der Nierenfunktion und die dadurch stärkere Harnproduktion“, sagt Wolfgang Schreiber, Chefarzt des Roten Kreuzes. Die beiden Wirkungen verstärken einander und können zum Kollaps führen.

Daneben erweitert Alkohol auch die Gefäße, was eine Belastung für das Herz darstellt. „Trinken bis zum Rausch kann bei Hitze gefährlich sein“, so der Mediziner. Noch problematischer wird es, wenn auch noch körperliche Aktivität dazu kommt. Schreiber nennt das Donauinselfest als Beispiel, bei dem in der Sonne Alkohol konsumiert wird, während man zwischen den verschiedenen Bühnen hin und her wandert. „Die Hitze an sich ist für gesunde Menschen kein Problem, aber so kann sie auch Folgen für einen grundsätzlich gesunden Körper haben.“

Dass Jugendliche in der sommerlichen Hitze des Donauinselfests Alkohol trinken und danach kollabieren, komme natürlich vor, sagt Landesrettungsrat Alexander Prischl vom Arbeiter-Samariter-Bund, „aber es ist kein Massenphänomen in dem Sinn.“ Im Vergleich zu den Besucherzahlen sei die Zahl der von den Sanitätern betreuten Fälle jedenfalls gering.

Kontrollen auf der Donauinsel

Ob für einen Kollaps nur Hitze oder auch andere Faktoren verantwortlich sind, ist auf den ersten Blick allerdings nur schwer feststellbar. Für den Laien, aber auch für professionelle Helfer, spielt es letztendlich aber ohnehin gar keine allzu große Rolle. In beiden Fällen sollen Atmung und Puls überprüft und die Atemwege freigehalten werden. Schließlich rät Prischl dazu, auf jeden Fall die Rettung zu verständigen.

Die von Bürgermeister Michael Häupl angekündigten stärkeren Kontrollen von Alkohol bei Jugendlichen am Fest hält er grundsätzlich für richtig. An allen Zugängen zur Donauinsel und auch auf dem Festgelände sollen stichprobenartige Kontrollen durchgeführt werden. Werden bei Jugendlichen harte alkoholische Getränke gefunden, werden sie ausnahmslos abgenommen.

Diese Maßnahme, die rund um die aktuelle Debatte um das Koma-Trinken initiiert wurde, hat mit der Hitze allerdings nur am Rande zu tun. Schließlich wird Alkohol nicht nur bei Sonnenschein konsumiert. Getrunken wird bekanntlich auch nachts, wenn die Hitze längst wieder vorbei ist.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2007)

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