ORF: Die Fronten des Alexander Wrabetz

Am "parteipolitischen" Stiftungsrat wird Kritik geübt, die Werbepreise sinken, und eine Klage gegen "MiA" steht ins Haus.

Einst ist SOS ORF mit dem mächtigsten Medium des Landes hart ins Gericht gegangen. Vor allem das gesunkene Niveau des TV-Programms, politische Interventionen und die TV-Information unter Chefredakteur Werner Mück waren Zielscheibe des Protestes, der öffentlich und lautstark ausgetragen wurde – und letztlich zum Sturz der eisernen ORF-Lady Monika Lindner vom Küniglberg-Thron beigetragen hat. Ein Jahr nach der Gründung traf man sich wieder (Peter Huemer, Alfred Noll, Paul Schulmeister) und zog wortreich Bilanz: Die Umsetzung der Ziele von SOS ORF sei nur „teilweise gelungen“ – der politische Druck von außen auf den ORF habe sich entschärft, finden die Vertreter von SOS ORF, die ORF-Information erntet Lob.

Allerdings: Im Zentrum der ORF-Macht, dem Stiftungsrat, ist die Sache für SOS ORF weiterhin bedenklich, weil das Gremium „parteipolitisch motiviert“ sei. Dass die politischen Parteien im obersten Aufsichtsorgan ihre Interessen ausspielen, missfällt den SOSlern. Sie fordern einen „unabhängigen Aufsichtsrat“ mit maximal zehn Mitgliedern – wer diese bestellen soll, blieb auf Nachfrage allerdings unbeantwortet.

„MiA“: Gegen das ORF-Gesetz?

Die Fernsehunterhaltung weist nach ihrer Ansicht „große Schwächen“ auf, „Mitten im Achten“ sei gar ein „Skandal“ (Noll), weil es das öffentlich-rechtliche Image des ORF schädige (Huemer). Dass bei „MiA“ nicht alles mit rechten Dingen zugeht, das findet auch der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP): Eine Prüfung der ORF-Serie habe „den Verdacht auf zahlreiche Verletzungen des ORF-Gesetzes ergeben“ – weshalb der VÖP am Mittwoch eine Beschwerde beim Bundeskommunikationssenat eingebracht hat. Die Privaten wollen, dass abgeklärt wird, ob der ORF eine Sendung wie „Mitten im Achten“ überhaupt über Product Placements mitfinanzieren darf. Und sie glauben, dass der ORF die Grenze zwischen Product Placement und Schleichwerbung „mehrfach überschritten“ hat.

Für den stellvertretenden VÖP-Vorsitzenden Martin Blank (Puls TV) steht fest: „Es ist herrschende Rechtsmeinung, dass der ORF in eigenproduzierten TV-Serien gar kein Product Placement einsetzen darf.“ Im ORF hingegen – er hat „MiA“-Platzierungen an Marken wie Zipfer, Nescafé oder Kellys verkauft – ist man der Ansicht, sich im Rahmen des Gesetzes zu bewegen. Laut Austria Presse Agentur soll der ORF für eine „MiA“-Jahreskooperation 60.000 bis 77.000 Euro verlangen, für Patronanzen (Opener und Closer der Serie) sollen es pro Jahr 600.000 Euro sein. Doch, so erinnert VÖP-Vorsitzender Christian Stögmüller (Life Radio), der ORF sei in einer „Sonderstellung“, weil er sich eben „nicht nur durch Werbung finanziert“ – das sei ein „klares Marktungleichgewicht“. VÖP-Vorstand Corinna Drumm (Sat1) assistiert: „Kommerzielles Product Placement muss für einen Sender mit öffentlich-rechtlichem Auftrag ausnahmslos verboten sein.“

Auch „ZiB“-Werbung muss billiger werden

Weil die Quoten im neuen ORF nicht so gut aussehen wie zuvor erwartet, musste der ORF nun seine Werbepreise senken. Im Schnitt sei die Werbesekunde im Juli nur um 0,6% billiger geworden als ursprünglich geplant, heißt es in der ORF-Enterprise. Gegenüber den Ende des Vorjahres in der Vorschau vorgesehenen Preisen dürfte der Preisverfall jedoch weit dramatischer ausfallen. Damals habe man nichts von der TV-Reform gewusst, so das Argument.

Die nicht erfüllten Hoffnungen des ORF lassen sich aus der Preisgestaltung ablesen: auf der Homepage der ORF-Enterprise sind jene Zeitzonen grün markiert, die im Vergleich zur Preisvorschau verbilligt werden mussten (der Vorabend auf ORF1, „Mitten im Achten“, auch die „Zib20“ und – entgegen allen Freudentänzen – auch die „Zeit im Bild“) eine gelbe Markierung bedeutet, dass der ORF nun mehr Geld verlangt als geplant (im Hauptabend von ORF2 oder am Serien-Montag auf ORF1 zum Beispiel).

Zurück zu SOS ORF und zur Parteipolitik – zu einer weiteren Front, an der Wrabetz kämpfen muss: Während Noll die ORF-Landesstudios für „völlig überflüssig“ hält und Schulmeister die „Symbiose von Landeshauptleuten und Landesstudios“ anprangert, wurde der ORF-General am Mittwoch vom ÖVP-„Freundeskreis“-Leiter im Stiftungsrat, Franz Medwenitsch, aufgefordert „ein Machtwort“ im „Clinch“ zwischen ORF On und Landesstudio NÖ zu sprechen. Noch immer schwelt der Konflikt um eine nach einer Intervention aus dem SP-Bundeskanzleramt von ORF On nächtens umgeschriebene Meldung der NÖ-Redaktion – Aussendungen, Indiskretionen und gegenseitige Schuldzuweisungen prägen das Bild. Medwenitsch: „Die Glaubwürdigkeit der Information ist eines der höchsten Güter des ORF. Man muss sich langsam Sorgen machen.“

SOS ORF: Die Initiative

Im Mai 2006 startete SOS ORF und sammelte über 70.000 Unterschriften.

Gefordert: intelligentes Programm, ausgewogene Info, unabhängiger Aufsichtsrat, Ende der politischen Gängelung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.05.2007)

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