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Vorwürfe: Minister Hahns Dissertation "nicht sehr schön"

"Plagiatsjäger" Weber bekommt bei seiner Kritik an der Doktorarbeit des Wissenschafts-Ministers Unterstützung von einem anderen Experten.

Nicht nur Salzburger Medienwissenschafter und "Plagiatsjäger" Stefan Weber kritisiert die Dissertation von Wissenschafts-Minister Johannes Hahn. Auch der Linzer Professor Gerhard Fröhlich sagt: "Das wenige, das ich gesehen habe, zudem nur als manipulierbarer PDF-File, schaut nicht sehr schön aus." Fröhlich ist Experte für wissenschaftliches Fehlverhalten. Er wurde von seiner Uni beauftragt, den Linzer Hochschullehrer-Nachwuchs bei der Plagiatsbekämpfung zu schulen.

Während Weber davon sprach, Hahn hätte "seitenweise abgeschrieben" gibt sich Fröhlich zurückhaltender. Er räumt ein, dass die Zitationsregeln früher laxer waren und keineswegs einheitlich. Trotzdem würde er eine solche Arbeit nicht tolerieren.

"Einen solchen laxen Umgang mit Textübernahmen würde ich einem studentischen Referat nicht durchgehen lassen."

Gerhard Fröhlich

Die Gesamtzahl der Zitate in einer Dissertation, wie Hahn argumentiert hatte ("Dissertation hat 282 Seiten und 197 Zitate"), sei für ihn kein Argument. Entscheidend sei, ob strategisch wichtige Stellen korrekt zitiert seien. Ob die inkriminierten Stellen bei Hahn entscheidend seien, wisse er nicht.

Scharfe Vorwürfe von Weber

Der "Plagiatsjäger" Stefan Weber warf Hahn zuvor "seitenweises unzitiertes Abschreiben" in dessen Dissertation vor. Weber, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Plagiatsfälle aufgedeckt hat, nahm den Vorwurf des Plagiats bei Hahn aber "bewusst nicht in den Mund". Dennoch hielt er Hahn vor, "absolut schlampig gearbeitet" zu haben.

Der Minister wies die Vorwürfe zurück: "Die Dissertation hat 282 Seiten und 197 Zitate, mir fehlt der Vergleich, aber das kommt mir sehr ordentlich vor". Weber sei "offensichtlich verärgert, weil er keinen Auftrag von uns erhalten hat", begründete Hahn die Kritik.

Weber hat kürzlich ein Schreiben des Ministeriums erhalten, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er keinen Auftrag für eine Studie über Plagiate in Österreich erhalten werde. Der Medienwissenschafter hatte im Vorjahr eine Untersuchung über die "Akademische Integrität in Österreich" vorgeschlagen.

Vorwürfe "Viel böser Wille"

Dieser Interpretation widersprach auch Hahns "Doktorvater", Dekan Peter Kampits: "Da gehört viel böser Wille dazu, das zu unterstellen."

Hahn hat seine Dissertation zum Thema "Perspektiven der Philosophie heute - dargestellt am Phänomen Stadt" 1987 an der Universität Wien eingereicht. Hahn verweist zudem darauf, dass er seine Dissertation noch mit der Hand geschrieben habe, sie sei dann erst abgetippt worden.

(APA/Red.)