ATX-Firmen: Vorstände kassieren im Schnitt 1,13 Mio. Euro pro Jahr

Der Vorstand eines ATX-Unternehmens verdiente 2006 das 26-fache seiner Mitarbeiter. Die Gagen der ATX-Vorstände stiegen deutlich, der Personalaufwand sank.

Die großen börsenotierten österreichischen Unternehmen verdienen weiter sehr gut - Management und Aktionäre können sich über deutliche Ertragssteigerungen freuen. Der durchschnittliche Personalaufwand je Mitarbeiter ist aber leicht rückläufig. Das geht aus einer aktuellen Aufstellung der ATX-Unternehmen durch die Arbeiterkammer Wien auf Basis der veröffentlichten Geschäftsberichte 2006 hervor, die am Freitag veröffentlicht wurde.

»Die Entwicklung zeigt eine weitere Umverteilung der Gewinne hin zu Aktionären und Managern, zu Ungunsten der Arbeitnehmer.«

Resümee der Arbeiterkammer

Bei den im Leitindex ATX enthaltenen Unternehmen stieg der Gewinn vor Steuern um 27 Prozent - das ist die Hälfte des Gewinnwachstums 2005 (+53 Prozent). Das Gesamtergebnis wurde deutlich durch die hohen Verluste der bwin von 592 Mio. Euro beeinträchtigt. Ohne bwin erzielten die übrigen 18 ATX-Unternehmen ein Vorsteuerergebnis von 8,9 Mrd. Euro, das entspricht einem Plus von 36 Prozent. Nur der Impfstoffhersteller Intercell wies unter den ATX-Werten neben bwin ein negatives Ergebnis aus, das aber um 38 Prozent besser ausfiel als im Vorjahr.  

Sehr unterschiedlich fällt die Gewinnverteilung aus: Während die Vorstandsgagen pro Kopf im Durchschnitt um 17 Prozent - auf durchschnittlich 1,131.635 Euro - stiegen, sank der Personalaufwand pro Kopf um 1 Prozent. Damit verdiente der Vorstand eines ATX-Unternehmens 2006 das 26-fache seiner Mitarbeiter.

Am meisten über die gestiegenen Gewinne können sich die Aktionäre freuen: Die geplanten Dividendenausschüttungen erhöhen sich um 33 Prozent. Die Entwicklung zeige "die weitere Umverteilung der Gewinne hin zu Aktionären und Managern, zu Ungunsten der Arbeitnehmer", so das Resümee der Arbeiterkammer. "Die Entwicklung der vergangenen Jahre setzt sich fort", meint AK-Direktor Werner Muhm. "Die Gewinne steigen, die Dividenden und Vorstandsgagen steigen, aber die Arbeitnehmer haben nichts davon. Trotz der Rekordgewinne zahlen die Unternehmen relativ immer weniger Steuern, und die Steuerlast der Arbeitnehmer steigt."

Der effektive Steuersatz der ATX-Unternehmen (in Prozent des EGT) sank 2006 um zwei Prozentpunkte von 23,09 auf 21,09 Prozent.

Der Rückgang im Lohnaufwand pro Kopf sei auf vergleichsweise kostengünstigere Mitarbeiter in den Ländern Mittel- und Osteuropas (CEE) zurückführen, in denen ein niedrigeres Lohnniveau als in Österreich herrsche, so Studienautor Heinz Leitsmüller. Insgesamt beschäftigen die ATX-Unternehmen konzernweit rund 290.000 Arbeitnehmer, um 11 Prozent mehr als im Vorjahr.

Bei den durchschnittlichen Gagen pro Kopf führen die Vorstände der OMV, Andritz und Telekom mit jeweils mehr als 2 Mio. Euro pro Jahr. Dahinter folgen Erste Bank und A-Tec Industries mit durchschnittlich 1,9 bzw. 1,6 Mio. Euro je Vorstandsmitglied. Besonders stark stiegen die Vorstandsgehälter bei der Telekom (+128 Prozent), gefolgt von RI (+91 Prozent), Intercell (+80 Prozent), A-Tec (+60 Prozent) und Flughafen Wien (+39 Prozent).  

In der Wertung berücksichtigt sind die Unternehmen A-Tec Industries, Andritz, bwin, Böhler-Uddeholm, Erste Bank, EVN, Flughafen Wien, Intercell, Mayer-Melnhof, Österreichische Post, OMV, Raiffeisen International, RHI, Telekom Austria, UNIQA, Verbund, Wiener Städtische, Wienerberger und Zumtobel. Die Voest ist auf Grund des abweichenden Wirtschaftsjahres in der Auswertung nicht inkludiert. (Red./APA)

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