Risikokapital. Die Regierung plant einen Fonds, der jungen Unternehmen Beteiligungskapital zur Verfügung stellt.
Wien. Der Verkauf des Edelstahlkonzerns Böhler hat die Diskussion um mehr österreichisches Risikokapital neu angeheizt. Ein Schritt ist das neue Segment für Klein- und Mittelbetriebe an der Wiener Börse. Der zweite Schritt soll demnächst folgen: Die Regierung überlegt nämlich, zur Stärkung der eigenkapitalschwachen heimischen Klein- und Mittelbetriebe eine Art staatliche „Mini-Heuschrecke“ zu bilden und über diesen Fonds Beteiligungskapital (Venture Capital) zur Verfügung zu stellen. Dass ein entsprechender „Diskussionsprozess“ in den betroffenen Ministerien für Finanzen und für Wirtschaft stattfindet, wurde der „Presse“ bestätigt. Konkrete Ergebnisse werden aber frühestens in einigen Monaten erwartet.
Als Vorbild im „Diskussionsprozess“ dient offenbar das finnische Modell: Dort hat der Staat einen Venture Capital Fonds gegründet, der sich allerdings nicht direkt an Unternehmen, sondern an privaten Venture Capital Fonds beteiligt. So wird Wachstumsunternehmen Geld zur Verfügung stellt, ohne gleich die Wagniskapitalfinanzierung zu verstaatlichen.
Volumen 200 Mio. Euro
„Für einen solchen Fonds müsste man 150 bis 200 Mio. Euro in die Hand nehmen, wenn das Sinn machen soll“, sagt der Chef der staatlichen Förderbank AWS, Peter Takacs, zur „Presse“. Allerdings nicht auf einmal: Weil die Infrastruktur für solche Fonds im Lande erst aufgebaut werden müsse, könnte man „mit kleinen Tranchen von 15 bis 20 Mio. Euro im Jahr starten“, so Takacs.
Der Hintergrund: Während Wagniskapital in ganz Westeuropa schon eine beträchtliche Rolle beim Aufbau von Unternehmen spielt, ist diese Form der Unternehmensfinanzierung im „Kreditland“ Österreich weit abgeschlagen. Das ist vor allem in der „StartUp“-Phase von Unternehmen ein Problem, weil die Banken in dieser Phase (aus Besicherungsgründen) mit Darlehen sehr zurückhaltend sind und echtes Wagniskapital am Markt kaum aufzutreiben ist.
Milliarden fließen ins Ausland
Takacs meint, das liege nicht so sehr an der Risikoscheu österreichischer Anleger, sondern am mangelnden Fonds-Angebot. Wagniskapital sei ja eher für Großanleger interessant – und die seien derzeit in diesem Segment sehr wohl sehr aktiv. Allerdings bei ausländischen Fonds. Es fließe also viel österreichisches Kapital, das die heimische Wirtschaft gut gebrauchen könnte, mangels Angebot ans Ausland ab.
Der angedachte staatliche Venture Capital Fonds soll nun die Gründung solcher Start-Up-Finanzierungsfonds in Österreich auslösen, meint Takacs. Überlegt wird, Einlagen von maximal einem Viertel bis einem Drittel aus dem Staatssäckel zu speisen, denn „die Start-Up-Finanzierung soll schon mehrheitlich privat bleiben“. Allerdings wäre die staatliche Beteiligung ein „Gütesiegel“ für Investoren, das ihnen signalisieren würde, dass der entsprechende Fonds geprüft und kontrolliert ist. Mit 250 bis 200 Mio. Euro könnte man ein Fondsvolumen von rund einer Mrd. Euro auslösen, was viel Geld für die heimische Start-Up-Finanzierung wäre.
Bis das Programm richtig ins Laufen kommt, wird es aber dauern. Denn „es gibt nicht nur keine adäquaten Fondsstrukturen, wir haben hier auch zu wenige Fondsmanager mit entsprechender Erfahrung, und in der Bankenszene muss auch noch das Bewusstsein für den Verkauf solcher Produkte geschaffen werden,“ meint Takacs.
Fest stehe, dass sich der neue Fonds, so er kommt, auf Start-Up-Finanzierungen beschränken solle. Denn diese allererste Phase eines Unternehmens sei hierzulande der wunde Punkt. Für die Wachstumsphase gebe es bereits ausreichende Eigenkapitalinstrumente. Beispielsweise die Kapitalfondsgarantien, die Ende der neunziger Jahre geschaffen worden seien. Da gebe es 34 Fonds mit 2,7 Mrd. Euro Volumen, die bisher rund 400 Unternehmen mit Eigenkapital finanziert hätten.
GELD FÜR GRÜNDER
Die Regierung prüft die Errichtung eines „Austrofonds“, aus dem wiederum Private Equity Fonds gespeist werden. Ziel ist es, eigenkapitalschwachen Start-Up-Unternehmen zu helfen.
Die staatliche Förderbank AWSerachtet 200 Mio. Euro für den Beginn für ausreichend.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.05.2007)