Was ist eigentlich aus Christo und Jeanne-Claude geworden? Seit sie 2005 den New Yorker Central Park safranfarben mit 7503 Toren behübschten, gab es wenig Aufsehen um diese Mega-Künstler. Dabei scheint gerade 2007 ein typisches Jahr für großzügige Formate zu werden. Das schmucke neue Museum von und für Hermann Nitsch in Mistelbach etwa – jedes einzelne seiner Schüttbilder überfordert das bescheidene Domizil in Erdberg.
Wir wollen gar nicht erst über Paris reden. Dort nennt man eine Ausstellungsserie im Grand Palais ganz unverhüllt „Monumenta“. Derzeit ist eine Schau mit kolossalen Kunstwerken des gewaltigen Genies Anselm Kiefer zu bestaunen: „Sternenfall“ nennt er es. Für manche davon müsste man vor seinem Palais eine eigene Großgarage bauen, sie haben das Ausmaß eines erwachsenen Sauriers. Nächstes Jahr ist der Riese Richard Serra dran. Das wird wahrscheinlich noch gewichtiger.
Nun könnte man sagen, das Phänomen der Gigantomanie sei ein völlig natürliches. Der Kunstmarkt boomt, es gibt genügend Milliardäre, die Wohnzimmer so groß wie Einkaufszentren haben, wo der eine oder andere Gironcoli gar nicht auffällt. Aber der Hang zur Übergröße hat auch das Theater erfasst, das manche für kränkelnd, wenn nicht sogar für scheintot gehalten haben.
Schien Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, der „König Lear“ im Burgtheater etwas überdimensioniert? Fahren Sie ins weitläufige Berlin! Dort spielt der titanische Klaus-Maria Brandauer unter der Assistenz von Peter Stein höchst erfolgreich den „Wallenstein“ in der XXXL-Version. Der hört gar nicht mehr auf. Ich opferte jede mittleren Steinkreis von Richard Long in meinem Garten, um dort dabei zu sein.
Nur das „Gegengift“ bleibt ein bescheidenes Monument auf säurefreiem Papier wie immer: Heute noch konzentrierter mit noch mehr wertvollen Inhaltsstoffen in der Kompakt-Kolumne. Sie endet dort, wo das Inserat beginnt. Aus Liebe zur Ökonomie.
norbert.mayer@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2007)