Für viele eine Überraschung: Während die Europäer endlos über unrealistische Kyoto-Ziele reden, handeln die Amerikaner.
Natürlich ist die (noch ziemlich vage) Klima-Initiative von US-Präsident George Bush vorerst einmal ein PR-Gag: Der Befreiungsschlag eines Präsidenten, dem zuletzt international nicht wirklich viel gelungen ist.
Die Bush-Initiative mit der typisch europäischen „Ausgerechnet-der-größte -Umweltsünder-pudelt-sich-auf“-Attitüde abzutun, zeugt freilich nicht gerade von großem Durchblick. Denn in Wirklichkeit ist es längst nicht mehr so klar, wo klimamäßig die Guten und die Bösen zu Hause sind. Im vergangenen Jahr haben es beispielsweise nur zwei Industrieländer geschafft, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren: Deutschland (unter anderem deshalb, weil ein nicht unbeträchtlicher Teil der Verkehrsemissionen wegen des Tanktourismus Österreich zugerechnet wird) – und die USA. Dort ist der CO2-Ausstoß trotz eines 3,3-prozentigen Wirtschaftswachstums um 1,6 Prozent zurückgegangen. Von einem sehr hohen Niveau aus, aber die Richtung stimmt.
Es tut sich also einiges über dem großen Teich. Und zwar auf amerikanische Art: Während die Europäer ein unrealistisches Kyoto-Ziel nach dem anderen beschließen und gleichzeitig den CO2-Ausstoß weiter steigern, handeln die Amerikaner. Genauso, wie die Europäer von ihren „Lissabon-Zielen“ palavern – und die Amerikaner die Wissensgesellschaft verwirklichen. Es würde dem Weltklima wohl wirklich gut tun, wenn die Amerikaner die Sache in die Hand nähmen.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2007)