Die Rotarier baten Glaubensvertreter und Experten zur Diskussion über das Zusammenleben verschiedener Religionen.
WIEN. „Integration wird oft mit Assimilation verwechselt“, sagt Elsayed Elshahed, „und Muslime lassen sich nicht gerne assimilieren.“ Nur wenige Köpfe im Plenum des Raiffeisensaals nickten am Donnerstagabend bei dieser Aussage des Direktors der Islamischen Religionspädagogischen Akademie zustimmend.
Tatsächlich schien sich das Publikum der von Österreichs Rotariern organisierten Diskussionsrunde „Das neue Zusammenleben“ mit Vertretern von Glaubensrichtungen, Agnostikern und Religionswissenschaftlern, gleich auf den Vertreter der Muslime einzuschießen. Denn das meiste Murren im Publikum war immer dann zu hören, wenn Elshahed seine Thesen präsentierte. So sah man Kopfschütteln, als er der Mehrheitsgesellschaft eine Mitschuld daran gab, dass Muslime zu stark nach einer Identität in der Religion suchten. Und dass er die Einführung der Scharia in Indonesien damit rechtfertigte, dass „die Mehrheit das will“, wurde mit einigen Zwischenrufen quittiert.
„Religion ist überbewertet“
Ähnlich scharf angegriffen wurde nur noch Heide Schmidt, die im Plenum die Agnostiker vertrat. Die ehemalige Politikerin des Liberalen Forums plädierte dafür, dass „die Religion in einer demokratisch-säkularen Gesellschaft keine Rolle spielt.“ Die eigentlichen Probleme seien sozialer Natur, die Rolle des Glaubens werde wichtiger genommen als sie ist. Kritik aus dem Publikum erntete Schmidt nicht nur dafür, sondern auch für ihr Plädoyer für einen Ethik-Unterricht an Stelle von Religionsunterricht.
Ein wenig stießen sich die Diskutanten auch daran, ob Österreich denn nun ein säkulares oder ein katholisches Land sei. Künstlerseelsorger Gustav Schörghofer ortete dann auch die größte Schwäche des säkularen Staates darin, „dass er nicht mit Religion umgehen kann“.
Während die Aussagen von Moslem-Vertreter Elshahed kritisch beäugt wurden, erntete der jüdische Vertreter, Oberrabiner Paul Chaim Eisenberg, häufig anerkennendes Kopfnicken, so wie auch für die Aussage „Leute, die ihre religiösen Traditionen bewahren, integrieren sich leichter“.
Dialog mit leeren Händen
Applaus im Plenum brandete schließlich bei einem Satz des Religions-Soziologen Peter Stiegnitz auf: „Wenn wir vor lauter Laizismus unsere christlich-jüdische Tradition nicht mehr kennen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn wir im Dialog mit dem Islam mit leeren Händen dastehen.“
("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2007)