Staatsoper : Viele prächtige Posten zu verteilen

Analyse. Nach dem Kampf um die Staatsoper wird es bald weitere spannende Erbfolgekriege geben.

WIEN.Showdown zwischen Kanzler und Kulturministerin. Diese Woche treffen Alfred Gusenbauer und Claudia Schmied vermutlich zum entscheidenden Gespräch über die Staatsopern-Direktion zusammen. Die Lage ist verfahren. Gusenbauer favorisiert seit Monaten den Tenor Neil Shicoff, der sich darüber längst nicht mehr so freuen soll wie anfangs. Es heißt, Shicoff denke gar an Rückzug, kann er doch kräftig Gesicht verlieren, wenn Ministerin Schmied ihren Kandidaten (z. B. den Dirigenten Franz Welser- Möst oder eine Frau) durchdrückt.

Für den Kanzler geht es um politisches Prestige. Die Ministerin muss Profil zeigen. Die nächsten Personal-Entscheidungen warten. Kunsthistorisches, Naturhistorisches, Moderne-Museum, Museum für angewandte Kunst (MAK) müssen in dieser Legislatur-Periode neu besetzt werden. Der Vertrag des Albertina-Direktors muss verlängert werden – oder auch nicht. Der Vertrag des Holding-Chefs der Bundestheater läuft aus. Lauter prächtige Posten, um die es auch parteipolitische Streitigkeiten geben wird. Im Ministerium zeichnen sich Umfärbe-Aktionen bereits ab (Kunstsektion siehe S. 1). Bei der Suche nach Museumsdirektoren könnte sich eine Diskussion neu entzünden, die seit Jahren die Theater beschäftigt: Manager oder Künstler, genauer, Manager oder Gelehrter. Experten sagen, dass man in der komplizierter gewordenen Museumsführung mit einem Juristen oder einem Kaufmann an der Spitze und einem Chef-Kurator besser bedient ist als mit einem Wissenschaftler. Das Allernächste bleibt die Staatsoper. Dort sind die Nerven mittlerweile offenbar angespannt. Vor der Bekanntgabe des Opernchefs muss der Aufsichtsrat informiert werden. So steht es im Gesetz. Die nächste Aufsichtsratssitzung ist am 13. 6. Freitag wurde nun bekannt, dass nach offizieller Lesart die AR-Sitzung vom 19. 4. nur unterbrochen wurde und jederzeit fortgesetzt werden kann. Die Inszenierung schaut so aus: Erst Aufsichtsrat, dann Pressekonferenz, man will Indiskretionen vermeiden. Unterdessen ist auf einem wichtigen Nebenschauplatz, bei den Finanzen, ein kleiner Fortschritt erzielt worden.

Budgetaufteilung geglückt

Die fünf Mio. Euro, welche die Staatsbühnen, deren Budget seit der Ausgliederung 1999 eingefroren ist, demnächst mehr erhalten, sollen gütlich aufgeteilt worden sein. Das erhöht die Chancen, dass es anders als zuletzt angedroht, keinen Streik gibt, vor allem aber dass die Philharmoniker dem Staatsopern-Orchester erhalten bleiben, weil sie mehr Geld bekommen. Darum wurde zuletzt heftig gestritten, weil die Einkünfte im Staatsopernorchester im Vergleich zu den Konzert-Einnahmen dürftig sind.

Der „Kriegsschauplatz“ Orchester ist freilich mit mehr Geld keineswegs befriedet, denn egal in welcher Funktion Spitzen-Dirigenten wie Welser-Möst oder Thielemann künftig dem Haus am Ring näher treten (als Intendant oder Generalmusikdirektor) sie werden ausreichend Proben und Vorstellungen in der gleichen Besetzung (mit möglichst wenig Substituten) haben wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2007)

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