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Machtdemonstration bei RHI: Martin Schlaff zeigt Muskeln

Analyse. Vertrauensleute in den Aufsichtsrat zu entsenden, ist üblich.

Wolfgang Auer von Welsbach hat sich den vergangenen Freitag sicher anders vorgestellt. Frei nach dem Motto „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ hat der Kärntner Investor zusammen mit seinem Partner Florian Homm auf der turbulenten Hauptversammlung des Feuerfestkonzerns alles versucht, um Großaktionär Martin Schlaff Paroli bieten zu können.

Letztlich half weder der Zukauf von RHI-Aktien noch die Kooperation mit anderen Aktionären wie Ex-RHI-Chef Hellmut Longin. Schlaff installierte seine Vertrauten Herbert Cordt, Mark Eckhout, Helmut Draxler und Hubert Gorbach im Aufsichtsrat des Konzerns. Und er setzte auch den Entfall einer Dividende durch. Sehr zum Unmut der Kleinaktionäre.

Drei Tage später haben sich die Wogen, die bei der Hauptversammlung hoch gegangen waren, wieder etwas geglättet. „Ich muss das Abstimmungsergebnis akzeptieren“, sagt Auer von Welsbach zur „Presse“. Er sei selbst ein „überzeugter Aktionär“ und müsse daher die Spielregeln am Börseparkett akzeptieren. Die da lauten: „Wer die Macht hat, entscheidet“, so Auer von Welsbach. Deshalb wird „AvW“, wie er bei Börsianern kurz genannt wird, auch die Beschlüsse der HV nicht anfechten. „Das hat erfahrungsgemäß noch nie was gebracht.“

Die Abwahl von Aufsichtsräten mag hierzulande weder üblich sein noch Sympathien bei Kleinanlegern bringen. Dass ein Großaktionär wie Schlaff (er hält 26,47 Prozent an der RHI) Vertraute in den Aufsichtsrat entsendet, ist freilich üblich. Dafür gibt es auch zahlreiche Beispiele. Ein aktuelles: Rechtsanwalt Rudolf Fries, der mit dem Verkauf seines Böhler-Pakets den Übernahmepoker beim Edelstahlkonzern auslöste, war natürlich auch Böhler-Aufsichtsrat.

Was hat dann manchen RHI-Aktionär so erregt? Etwa die Macht-Demonstration des neuen Großaktionärs? Oder der Neid, nicht selbst die Hebel der Macht betätigen zu können? RHI-Gründer und Langzeit-General Hellmut Longin hätte garantiert auch seine Vertrauten in den Aufsichtsrat gehievt, hätte er seinen lang gehegten Plan realisiert, eine österreichische Kernaktionärsgruppe zu bilden. Bislang ohne Erfolg.

Vielleicht ist dieser Plan auch an der Kursentwicklung von RHI gescheitert. Die Aktie der RHI, die nach der Fast-Pleite Anfang 2002 auf einen Tiefststand von 4,35 Euro abgesackt war, hat sich binnen eines Jahres massiv verteuert. Allein seit den Gerüchten über einen bevorstehenden Einstieg Schlaffs im Spätherbst 2006 hat der Kurs um gut 50 Prozent zugelegt. Als Schlaffs Engagement im Jänner offiziell wurde, machte die Aktie noch einmal einen kräftigen Sprung nach oben. Von dieser Entwicklung hat nicht nur Schlaff profitiert, sondern vor allem jene Kleinaktionäre, die rechtzeitig eingestiegen waren.

Bleibt die Unsicherheit, ob Schlaff seine Beteuerung, langfristiger Investor zu sein, auch Ernst meint. Und wenn schon: Als Fries seine Verkaufsabsichten bei Böhler offiziell machte, reagierte die Böhler-Aktie mit einem Kursfeuerwerk. Was dazu führte, dass die Voest ihr Übernahmeangebot deutlich aufstocken musste. Auch nicht gerade ein Nachteil für die Aktionäre.

Der vorerst letzte Akt in der RHI-Posse spielt aber ohnehin weder in der Konzernzentrale noch im Schlaff-Büro. Insider rechnen damit, dass die Übernahmekommission auf Basis der HV-Abstimmungen prüfen wird, ob Schlaff über seine „MS Stiftung“ die Kontrolle über die RHI hat. Das Übernahmegesetz schreibt wohl erst ab einer Schwelle von 30 Prozent ein Pflichtoffert vor. Allerdings könnte die Kommission zur Ansicht kommen, dass Schlaff bereits jetzt mit 26 Prozent den Konzern kontrolliere. In diesem Fall müsste er ein Übernahmeangebot legen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.06.2007)