Fußball-EM: So wird man Botschafter

APA (Helmut Fohringer)
  • Drucken

Nicht nur Prominente sollen Stimmung machen, beinahe jeder kann „Botschafter der Leidenschaft“ werden.

WIEN. Noch genau 365 Tage bis zur Fußball-EM. Und noch ist in Österreich von einer Euphorie, wie sie Deutschland vor der Weltmeisterschaft 2006 zustande gebracht hat, nicht viel zu spüren. Und da von Seiten des Nationalteams bislang noch wenig zu sehen gewesen ist, was die Begeisterung in der Bevölkerung wecken könnte, muss zu anderen Mitteln gegriffen werden.

Wahre Superhelden müssen es sein, die voller Enthusiasmus die desinteressierten Österreicher für das Großereignis einpeitschen; Fußballfans, die Emotion und Leidenschaft auch auf andere überspringen lassen. Die Tag und Nacht für die EM unterwegs sind, ihre karge Freizeit nur der einen Sache widmen. Und die nichts kosten.

Nun, nichts leichter als das. „Botschafter der Leidenschaft“ sollen die Wunderwuzzis heißen, die von der Plattform „2008 – Österreich am Ball“ in den Kampf für die gute Stimmung geschickt werden. Insgesamt 2008 davon soll es geben, rund 700 hat man bereits rekrutiert.

Und was muss man tun, um in den Stand des Botschafters gehoben zu werden? Nun, es beginnt damit, sich auf der offiziellen Seite der Plattform mit persönlichen Daten und Foto zu registrieren und einen Fragebogen auszufüllen. Gefragt ist etwa ein Konzept, mit dem man die Begeisterung weitergeben will. Eine Jury bewertet dann die Vorschläge und ernennt die Neo-Diplomaten.

Arbeiten ohne Gehalt

„Kriterien sind Seriosität und Kreativität“, sagt Sprecher Lorenz Kirchschlager. So müssten die vorgestellten Projekte auch umsetzbar sein: „Ein Bäcker schenkt etwa Kindern eine Süßigkeit und dazu eine EM-Fahne.“ Daneben achte man darauf, dass es sich um kommunikative Personen handelt, die andere begeistern können. Und das noch dazu gratis. Ausgestattet werden Botschafter nämlich nur mit einem Startpaket (ein Rucksack, zwei Poloshirts, eine Jacke, eine Kappe, ein Lanyard (Schlüsselband), ein Armband und Informationsmaterial. Und Lob und Anerkennung natürlich, versteht sich von selbst.

Allein auf den Superhelden aus dem Volk will man aber doch nicht vertrauen, und so hat man bei Prominenten um Unterstützung bei der Euro-Euphorisierung angefragt. Aber auch an sie wurden Kriterien wie bei Normalsterblichen angelegt: „Wir haben auch Promis abgelehnt“, meint Kirchschlager, „die gerade einmal ein PR-Foto gemacht hätten.“ Es wird also spannend, wo etwa Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, Moderatorin Mirjam Weichselbraun oder Marika Lichter ihre Enthusiasmus-Injektion ansetzen wollen.

Stenzel stiftet Enthusiasmus

Ungewöhnlich mutet an, dass auch Ursula Stenzel, Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, zur Botschafterin ernannt worden ist. Schließlich hatte sie bislang vor allem ihre Furcht vor randalierenden Fans geäußert. Ein Widerspruch? „Nein, ich bin absolut nicht gegen die EM“, sagt sie zur „Presse“.

Und wie will sie trotz ihrer Befürchtungen gute Stimmung für den Bewerb machen? „Ich werde die positiven Seiten des Fußballs betonen“, meint sie. Nun, bei all den Plänen, die die Botschafter umsetzen wollen, fehlen dann eigentlich nur noch gute Ergebnisse für das Nationalteam. Dann klappt's auch mit der Euphorie.

FUSSBALL-EM

www.fussballverbindet.atEndrunde: 7. bis 29. Juni 2008 in Wien, Innsbruck, Salzburg, Klagen-
furt, Genf, Basel, Bern und Zürich.

www.euro2008.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2007)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.