Verkehr. Jedes Jahr werden 600 Fahrräder in Wien abgeschleppt.
WIEN. Dass vorschriftswidrig abgestellte Fahrzeuge in Wien von der Magistratsabteilung 48 abgeschleppt werden, ist bekannt. Dass die Abschlepper aber auch bei Fahrrädern aktiv werden können, hat sich noch nicht so stark herumgesprochen. Dabei sind es rund 600 Räder, die jedes Jahr von den Wiener Straßen entfernt werden. „Wir reagieren vor allem auf Beschwerden, wenn Fahrräder den Verkehr behindern“, sagt Christian Jurkovits, Leiter der Abschleppgruppe.
Das ist etwa dann der Fall, wenn Räder an Laternenpfahle oder Straßenbahnhaltestellen so angekettet sind, dass Passanten nicht problemlos vorbeikommen. Zumeist handelt es sich dabei um alte, zum Teil auch gar nicht mehr vollständige Räder. Gerade ausgeschlachtete Wracks, die schon längere Zeit herumstehen oder -liegen sind es auch, die am häufigsten von der MA 48 abgeholt werden.
Gnadenfrist für Besitzer
Aber sogar bei denen gibt es eine Gnadenfrist: „Wenn ein Rad abgeschleppt werden soll, hängen wir zuerst eine Schleife daran, dass es der Besitzer entfernen soll“, sagt Jurkovits. Erst nach ein bis zwei Wochen wird das Rad dann tatsächlich entfernt: „Es könnte ja sein, dass der Besitzer nur kurz auf Urlaub ist.“
Ist die Wartezeit verstrichen, rücken die Männer vom Abschleppdienst mit einer Akku-Flex an, die Ketten und Stahlbügelschlösser problemlos öffnet. Danach werden die Räder zum Abschleppplatz nach Simmering geführt, wo sie zwei Monate lang aufbewahrt werden – falls sich der Besitzer melden sollte. Per Anschlag wird nach dem unbekannten Eigentümer gesucht, ist eine Seriennummer im Rahmen vorhanden, werden die Daten auch den Verkehrsclubs mitgeteilt.
Hohe Abschleppgebühr
Dass ein Rad tatsächlich vom Besitzer abgeholt wird, geschieht allerdings nur äußerst selten. Fragt tatsächlich jemand nach, wird er zumeist dadurch abgeschreckt, dass die Abschleppgebühr von 48Euro (bis Ende Mai waren es 40,50 Euro) schon höher liegt, als das alte Rad eigentlich noch Wert ist.
Ist die Wartefrist vorbei, wandern die Räder – je nach Zustand – entweder ins Altmetall, werden beim MA 48 Bazar verkauft oder an Reparatureinrichtungen von Sozialprojekten gespendet. „Diese Organisationen“, so Jurkovits, „machen dann aus drei Wracks wieder ein ganzes Fahrrad.“
FAKTEN
www.wien.gv.at/ma48Die MA 48 schleppt in Wien nicht nur Autos, sondern auch Fahrräder ab. Bei Beschwerden über Behinderungen durch angekettete Räder wird die Abschlepptruppe aktiv. 600 Fahrräder landen pro Jahr auf dem Abschleppplatz. Abgeholt werden die wenigsten; die Gebühr beträgt nämlich 48 .
("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2007)