Die beste Startrunde seines Lebens

GEPA Felix-Reuttner)
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BA-CA Golf Open. Liverpool-Fan Graeme Storm aus England sorgte für die Überraschung und ging nach der 1. Runde im Golfklub Fontana in Führung. Bernd Wiesberger übertrumpfte Vorjahrssieger Markus Brier.

OBERWALTERSDORF. Ehe er seinen Sohn Constantin auf den Arm nahm, hatte er ihn über den Zaun ins Putting Grün geschubst. Liebevoll, keineswegs aus Frust über die durchwachsene 70er-Runde (-1), mit der Markus Brier in die Titelverteidigung beim BA-CA-Open im Golfklub Fontana gestartet war. „Ich liege sieben Schläge zurück, das ist schon viel“, meinte er. „Es waren zwei, drei schlechte Schläge dabei, sonst war es an sich okay. Aber für mich ist das nicht zufriedenstellend!“ In seinem Flight war etwa Lee Westwood (-5) viel besser, dem anderen Ryder-Cup-Helden Darren Clarke (+2) viel schlechter ergangen. Brier: „Es wird sehr schwer, aber verloren ist noch nichts. Ich weiß, dass ich hier tiefe Runden schießen kann.“

Der Keksfabrik-Arbeiter

Auch so tiefe Scores wie der Mann des Vormittags, der 28-jährige Liverpool-Fan Graeme Storm aus Newcastle mit schottischem Zungenschlag. Auf der Challenge-Tour hat er schon zweimal in Fontana (2003/2004) gespielt, aber noch nie war er am ersten Tag so gut wie gestern bei leichter Brise und sommerlicher Wärme. „Das ist die beste Startrunde, die mir je gelungen ist. Acht unter Par sind super! Den Wind hab ich erst auf den letzten vier Löchern gespürt“, freute sich der Brite über diesen Auftakt.

Es war jedenfalls ein schöner Vorschuss auf das, was noch kommen könnte für einen, der als armer Schlucker einst in einer Keksfabrik gearbeitet hatte, um sich die Golf-Karriere zu finanzieren. Und da er dazumals noch keinen Führerschein hatte, damit aber auch gleich Geld sparte, spielte eben seine Mama sowohl den Chauffeur als auch den Caddie – ohne selbst je Golferin gewesen zu sein. Jetzt hofft er, mit einem Schlag das Blatt bei den Austrian Open zu wenden. „So gut war ja meine Saison bisher nicht.“

Storm kann jeden Penny, Pardon: Euro, sehr gut brauchen. Das würde auf Lee Westwood, der spät genannt hatte, nicht zutreffen. Aber Fontana-Neuling Westwood freundete sich mit dem Platz schnell an, obwohl er nicht nur auf tückische Grüns hinwies, auf denen auch ganz andere Gefahren lauerten. „Was hier das größte Kriterium ist? Die vielen Kameras, die klicken. Und auch Babys, die weinen – das sollte man doch tunlichst vermeiden.“ Aber so ist es eben, wenn Fans die großen „Tiere“ aus nächster Nähe sehen wollen. Beim letzten Loch hätte Westwood – wie übrigens auch Brier – fast die Zuschauer getroffen. Er lag hinterm Grün, rettete aber doch noch das Par. „Keine schlechte Runde, sie hätte noch besser sein können, hätte ich die Par 5 besser gespielt. Aber es hätte auch so enden können wie bei Markus.“

Cut als Minimalziel

Von Brier meinte Westwood, „dass er ein klasser Kerl ist, nicht der Längste auf der Tour, aber dafür sehr präzise.“ An guten Tagen und nicht so mittelmäßigen wie gestern. Da stahl ihm jener junge Österreicher die Show, der wie er für den GC Fontana spielt, vom gleichen Coach (Claude Grenier) betreut wird und seine gute Form von Manchester konserviert hatte. Dennoch blieb der 22-jährige Bernd Wiesberger aus Oberwart nach der Start-Runde mit drei unter Par selbstkritisch. „Ich habe schlechter gespielt als eine 68, aber doch einige Pars gerettet.“ Also ist er überzeugt, noch besser spielen zu können. „Der Cut ist definitiv mein Minimal-Ziel. Wenn ich Sonntag möglichst spät abschlagen kann, dann kommen sicher die Erinnerungen an 2004 wieder hoch.“ Damals war er auf der Challenge-Tour sensationell Vierter geworden – als Amateur, der folglich auch nicht das Preisgeld annehmen durfte. Ob es ihm 2007 erneut gelingt, stand zu diesem Zeitpunkt noch in den Golf-Sternen.

DIE ERSTE RUNDE: Wiesberger überraschte

www.ba-ca-golfopen.atBernd Wiesberger nahm am Donnerstag die Rolle von Markus Brier ein. Der 21-jährige Neo-Profi aus Oberwart, vor drei Jahren bei den Open als 17-jähriger Amateur bereits Vierter, spielte zum Auftakt eine gute 68er-Runde.

Seit heuer ist Wiesberger (1,88 m groß) Mitglied im Fontana GC, wo er wie Brier auf Claude Grenier als Trainer zurückgreifen kann. [Diener]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2007)

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