Renault Twingo: Jetzt aber Schluss mit lustig

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Unisex statt Kulleraugen: Der Nachfolger des Twingo zeigt ein forsches Gesicht und erstaunliche innere Größe. Kritik für einen Dieselmotor ohne Partikelfilter.

Vierzehn Jahre ist es her, dass der technisch kaum neuartige Renault Twingo für Aufsehen sorgte. Das lag an seiner Putzigkeit, die auch chic und modern-urban rüberkam, und an den Werbesujets, die man heute noch im Kopf hat – das linkisch gezeichnete Auto als Verstoß gegen klassische Kommunikationsregeln darf als Meilenstein in der Automobilwerbung gelten.
Fast scheint es, als hätte man den Twingo so lang am Markt gelassen, weil die Entscheidung über seine Nachfolge so schwer fiel. Es wurde eine nüchterne: Das quietschgesichtige Design habe ebenso viele Käufer abgeschreckt, wie es Fans hatte, vor allem die männlichen, was man nun zu beheben gedenke. Preis und Benutzerfreundlichkeit rangieren bei der Kleinstwagenklientel zudem höher als Designfeuerwerke, weiß die Marktforschung. So kommt es, dass der neue Twingo nun eher allgemein-forsch und nicht so drollig in die Welt schaut.

Im Innenraum dominiert der Eindruck von Luftigkeit, die Kopffreiheit etwa ist respektabel. Die Sitzposition wurde vom französischen Flachlenkradsyndrom kuriert und ist auch für Großgewachsene tadellos, abgesehen davon, dass die Sitzfläche kurz ausgefallen ist. Dies ist jedoch immer noch ein Kleinstwagen, deren Besitzer Auto­fahren nicht als die wertvollste aller Tätigkeiten erleben. Ein tolle Sache sind die längs verschiebbaren Rücksitze, die im Fond eine erquickende Beinfreiheit zulassen, freilich auf Kosten des Gepäckabteils. Dieses wiederum leistet Erstaunliches, wenn hinten niemand sitzen muss, auch, weil die Rücksitze plus Beifahrersitz mit einem schnellen Handgriff umgelegt sind: Solcherart geht sich ein Zwei­metertrumm aus, die Ikea-Wertung wäre also zumindest im Singlehaushalt glanzvoll bestanden. Der Beifahrersitz scheint überhaupt zum Umlegen geboren, sei es als zusätzliche Ablage für den Fahrer oder als Schnellzugang nach hinten, wo die Isofix-Befestigung auf Kindersitze wartet. Sonst: große Ablagen in den Türen, mittige Instrumente, Drehzahlmesser gegen Aufpreis. 

Serienmäßig kommt dieser in der Topversion und als GT, Synonym für den einen neuen Motor im Twingo: ein 1,2-Liter-Turbobenziner mit, oho, 100 PS. Das klingt ebenso spritzig wie es sich fährt, vor allem der Schwung an Drehmoment ist im Alltag willkommen. Die Verbrauchswerte – Schlagwort Downsizing – sind auf Dieselniveau. Der GT hat aber ­eine Statistenrolle, die Renner werden die Einstiegsbenziner mit 58 und 75 PS – mit größtem Sparwillen beginnt der Twingo solcherart bei 8490 Euro, mit ein bisschen Ausstattung geht es sich noch unter 10.000 Euro aus.

Der zweite neue Motor ist ein Diesel, der den Einstiegspreis auf 11.490 Euro schraubt und mit obligatem Nageln von sich kundtut. ­Unverständlich, warum Renault dafür keinen Partikelfilter anbietet –
so, als gäbe es tief im Jahr 2007 auf diesem Gebiet noch irgendetwas zu diskutieren. Der Diesel steht noch vor ganz anderen Diskus­sionen (NOx), da ist eine Ruß­filterverweigerung wirklich fad.

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