Die Bezirksvorsteherin will „keine Saufmeile“ in der City. Die Getränke werden allerdings von der Uefa vorgeschrieben.
WIEN. „Die Fanmeile darf nicht zur Saufmeile werden“, sagt Ursula Stenzel. Die City Bezirksvorsteherin, die erst vor wenigen Tagen zur „Botschafterin der Leidenschaft“, die für die EM positive Stimmung machen soll, ernannt wurde, fordert daher, dass in der Fan-Zone am Ring nur alkoholfreies Bier ausgeschenkt werden darf, „denn es soll das Sportliche dominieren.“
Beim Organisationskomitee will man davon allerdings nichts wissen. „Das wäre eine Entmündigung der Fans“, sagt Sprecherin Anja Richter. Allerdings habe man im Konzept vorgesehen, dass harte Getränke auf dem Gelände nichts verloren haben. Lediglich Wein und Bier sollen ausgeschenkt werden. Allerdings geht man davon aus, dass die Uefa bzw. EM-Sponsor Carlsberg, in deren Verantwortung die Auswahl der Getränke liegt, auf Leichtbier setzen.
Neben der alkoholischen Seite zeichnet sich auch von der Fanmeile selbst eine „light“-Variante ab: Zwar wird sie neben dem Rathausplatz auf jeden Fall Teile der Ringstraße umfassen, doch über die genaue Ausbreitung ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. „Es hängt ja auch davon ab, welche Mannschaften sich qualifizieren“, sagt Bürgermeister Michael Häupl zur „Presse“. Erst wenn klar ist, aus welchen Ländern die Fans anreisen, ließe sich abschätzen, ob der Heldenplatz miteinbezogen werden muss. Derzeit gehen die Organisatoren davon aus, dass pro Tag bis zu 100.000 Fans kommen.
Keine permanente Ring-Sperre
Die Befürchtung, dass es zu einem Verkehrschaos kommt, wie Kritiker befürchten, zerstreut Häupl. So soll der betreffende Abschnitt der Ringstraße nicht permanent sondern nur tageweise und rund um die Spiele gesperrt werden.
Dass die Fanmeile am Ring nicht mehr zu verhindern sein wird, will Ursula Stenzel noch nicht ganz akzeptieren: „Weg vom Ring bleibt die Devise“, so die Bezirksvorsteherin, „entweder kann man es doch noch ändern – oder zumindest den größten Schaden begrenzen“. Ein Prominentenkomitee, angeführt von Burgtheater-Direktor Klaus Bachler, das die Fanmeile am Ring zu Fall bringen will, unterstützt sie – wenn sie als Politikerin auch selbst nicht daran teilnimmt: „Vielleicht kann das dazu beitragen, sich das noch zu überlegen.“
„Eine Bierinsel? Nicht mit mir“
Die Fanmeile selbst ist aber ohnehin nicht die einzige Sorge der Bezirksvorsteherin. Auch zusätzliche Gastronomieangebote außerhalb der Fan-Zone stoßen ihr säuerlich auf: „Eine Bierinsel etwa am Hof – sicher nicht mit mir.“
FUSSBALL IN WIEN
Sieben Spiele der Fußball-EM 2008 (7.6. – 29.6.) werden im Wiener Happel-Stadion ausgetragen.
Die Offizielle Fan-Zone geht vom Rathausplatz über den Ring, die genaue Größe steht noch nicht fest.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.06.2007)