Ausländische Zeitungen kommentieren die Direktionsentscheidung skeptisch, Lob für Schmied.
Ein toller Lapsus: Elisabeth Gehrer lächelt vom Foto zum Artikel über die Staatsoper in der "Süddeutschen Zeitung" (SZ). Darunter steht: "Claudia Schmied, Wiener Kulturministerin mit Mut zur Eigenwilligkeit".
"Wie glücklich kann sich ein Land schätzen, dessen Regierungschef ein erklärter Freund der Oper ist", schreibt die SZ, aber: "Schmied setzte zu aller Überraschung ihren Bundeskanzler Alfred Gusenbauer matt. Sie entschied einen bizarren Konflikt der Wiener Bundesregierung für sich und festigte ihre Rolle als unbeirrbarer Quergeist des Koalitionskabinetts.
Die 47-jährige Wienerin zeigt sich, wo immer sie auftritt, exzellent präpariert, stürmte eine steile Bankenkarriere hinauf und übernahm das bleierne Erbe von Elisabeth Gehrer, ihrer zur Mumie erstarrten Vorgängerin." Bei der Oper zeigte Schmied zwar Mut, doch war diese Entscheidung "das geringste der Probleme, die sie noch zu meistern hat", so die SZ.
Unter dem Titel "Staatsopern-Duett" gibt sich die "Neue Zürcher Zeitung" skeptisch. Der künftige Wiener Generalmusikdirektor Franz Welser-Möst (46) hat als GMD an der Zürcher Oper viele Premieren dirigiert: "Vielleicht wird etwas daraus. Vielleicht wachsen Dominique Meyer und Franz Welser-Möst zu einem Team zusammen, das die Kraft aufbringt, die Wiener Staatsoper aus Erstarrung, Verkrustung zu befreien.
Aber eben: Vielleicht", schreibt die "Zürcher", "Meyer hatte noch nicht wirklich Gelegenheit, sein Profil zu zeigen. Die Opéra de Lausanne ist ein kleines Haus, und an dem privat finanzierten Théâtre des Champs Elysées in Paris (wo Meyer Direktor ist) ist der Weg zwischen der Nationaloper, dem städtischen Opernhaus im Châtelet und der Opéra Comique nicht eben breit _ insofern stellt diese Ernennung ein Wagnis dar. Und Franz Welser-Möst?"
Breitseiten gegen Philharmoniker
"Sein interpretatorischer Zugriff bleibt oft unscharf, wie auch sein Repertoire von eher konventionellem Zuschnitt ist... Die Aufgabe in Wien erfordert herkulische Kraft. Ioan Holender sorgt für einen reibungslosen Betrieb mit sagenhafter Auslastung, künstlerisch liegt das Haus am Ring am Boden. Man darf gespannt sein", schließt die "Neue Zürcher Zeitung".
"Seit Konwitschnys ,Don-Carlos`-Inszenierung haben wir keine so aufregende Vorstellung mehr erlebt an dieser lieben alten Rumpelkammer wie just diese jetzt glücklich beendete ,Intendantensuche`", spottet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ): "Eine vernünftige, weil praktikable Lösung. Man könnte auch sagen: eine mittlere Lösung." Meyer übernehme von Holender ein Haus mit "fabulösem Konfliktpotenzial".
Dieses ortete "Die Zeit" schon im Mai im Orchestergraben: "Dem Haus mangelt es an Dirigenten von Rang. Dafür sind zuvorderst die mächtigen Wiener Philharmoniker samt ihrer Vorfeldorganisation, dem Wiener Staatsopernorchester, verantwortlich.
Sie beharren stur auf praxisfernen Dienstrechten, verrichten das Alltagsgeschäft im Graben hörbar lustlos. Ihrem guten Ruf werden sie meist nur mehr bei Premieren gerecht."
Jetzt, nach der Entscheidung, schreibt "Die Zeit": GMD Welser-Möst habe in Zürich und Cleveland (wo er bis 2011/2012 Chefdirigent ist) künstlerisch hervorragende Arbeit geleistet. In Wien werde er aber auch klären müssen, ob die Philharmoniker das Staatsopernorchester bleiben wollen: "Es gibt viel zu tun. Die Staatsoper ist ein Haus, das den Weg ins 21. Jahrhundert noch vor sich hat." Zum Vorbild könnte man sich die Mailänder Scala nehmen.