„Kiffen geht auf die Samenzellen“

Was dem Bio-Lehrer zu heikel sein kann, spricht Ingo Vogl in seinem Kabarett für Schüler ungeniert an.

Salzburg. Rauchen, Saufen, Sex und Drogen oder wie Ingo Vogl es nennt: „Das kleine Wochenend-Paket“. Über die Themen spricht Vogl in seinem G'sundheits-Kabarett, mit dem er seit einigen Jahren hauptsächlich in Schulen auftritt. Pro Jahr sind es 130 Auftritte in Gymnasien, Hauptschulen, Polytechnischen Lehranstalten und Berufsschulen. Im Bundesland Salzburg finanziert das die Gebietskrankenkasse. Für Auftritte in anderen Bundesländern kommt das Geld von den Schulen oder von Vereinen, denen die Aufklärung und Drogenprävention für Jugendliche am Herzen liegt.

Die Salzburger Schüler erhalten also Kabarett auf Krankenkasse! Wem fällt denn so was ein? „Mit der Idee ist Harald Seiss an mich herangetreten, Direktor der Salzburger GKK“, erzählt Vogl. Der kannte ihn und schlug vor, Schülern auf lustige Art ernste Themen näher zu bringen. Vogls Hintergrund liegt stark im sozialen Bereich: diplomierter Sozialarbeiter, seit 14 Jahren Rot-Kreuz-Rettungsfahrer, Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen. Vogl: „Ich habe mich dann nicht einfach hingestellt und den Schülern was erzählt. Sondern zum Schreiben des Stücks hat mir mein ehemaliger Bio-Lehrer ermöglicht, zehn Stunden mit seinen Schülern das Programm zu erarbeiten.“ Das war 1999. Seither hat Vogl zirka 50.000 bis 60.000 Schülern erzählt, worauf man aufpassen muss bei Rauchen, Saufen, Sex und Drogen.

Die „Presse“ besuchte Vogls G'sundheits-Kabarett im Christian-Doppler-Gymnasium in Salzburg, wo er vor den Viertklasslern auftrat. Ihre Aufmerksamkeit ist ihm schnell sicher: Zu Beginn darf die Klasse wählen, mit welchem Thema begonnen wird. Obwohl Vogl den Sex für den Schluss aufheben wollte, wählten ihn die Schüler als Startthema. Vogl: „Gut, so haben wir genug Zeit dafür. Weil Burschen merkt Euch: Viel Zeit ist wichtig beim Sex. Ihr müsst nicht glauben, nur weil der Alonso in 8,4 Sekunden vier Reifen wechselt, müsst ihr es schaffen, in derselben Zeit vier Mal Gummi zu wechseln.“

So laut wie hier die Klasse lacht, so betreten sind alle, wenn Vogl über 20.000 Aids-Kranke in Österreich spricht oder zu berichten weiß, wie viele Jugendliche glauben, man könne vom ersten Mal nicht schwanger werden. Also packt er eine Banane und ein Kondom aus für die „Kondomschulung“. Doch statt die Kondombanane vorzuführen, zieht er eine Socke aus und meint: „Noch besser zum Üben ist der Fuß: Der ist angewachsen und außerdem steht der immer, das ist sein Job“, und rollt die Socke wie ein Kondom über seine nackte Gliedmaße.

Erfahrung beim Roten Kreuz

Nächstes Thema: „Rauchen, Saufen, Drogen. Das gehört irgendwie zusammen.“ Vogl sagt nie: „Tut's das nicht, das ist ungesund“, sondern erzählt von Wirkung und Folgen. Als Rot-Kreuzler kennt er genug Fälle von jungen Menschen, die sich durch übermäßigen Nikotin- oder Alkohol-„Genuss“ zerstört haben: „Die Entscheidung liegt bei euch. Wenn ihr Scheiße baut, treffen wir uns im Rettungsauto wieder.“ Sein Tipp: „Immer die Rettung rufen, wenn was schief geht. So helft ihr euren Freunden sicher mehr, als den Blödsinn von Medicopter oder Baywatch nachzumachen.“ Die Schüler wissen, welche Nummer im Notfall zu wählen ist: 144.

Vor illegalen Drogen warnt Vogl mit Fakten: „Kiffen geht auf die Samenzellen. So eine bekiffte Samenzelle vergisst, dass ihr Job ist: Schwimmen und Befruchten.“ Oder Flashbacks nach LSD-Einnahme: „Wie wäre denn das, wenn du bei der Führerscheinprüfung plötzlich wieder voll drauf bist?“ Zu Ecstasy erklärt er, dass die Droge auch den Teil des Hirns beeinflusst, der einem sagt, dass man Durst hat: „Trinkst die ganze Nacht nix, tanzt durchgehend und am nächsten Tag wunderst dich, wo dein Kreislauf geblieben ist.“

Im gesamten Programm erwähnt Vogl kein einziges Mal das Wort Komatrinken. Nur ein Schüler aus der letzten Reihe wirft es als Zwischenruf ein. Nach der Vorstellung meint Vogl zur „Presse“: „Zum Komatrinken fällt mir immer das Qualtinger-Lied ,Weil mir so fad is'‘ ein. Nur weil wem fad ist, stellt man Sachen an, die dann in der Zeitung stehen, bis auch das wieder fad wird.“ Mit dem Lied im Ohr steigt er in den Zug und fährt zu seinem nächsten Auftritt in der Berufsschule Mödling.

www.vogl-kabarett.at("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2007)

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