BA-CA-Austrian-Open. Bernd Wiesberger erfüllte seine Rolle als Lokalmatador und beendete das Heimturnier mit fünf Schlägen unter Par.
Oberwaltersdorf. Bernd Wiesberger war ohne mit der Wimper zu zucken in die Rolle des Lokalmatadors geschlüpft, die ursprünglich für Markus Brier vorgesehen war. Doch als der Titelverteidiger bei den BA-Ca Golf-Open am Cut gescheitert war, richteten sich alle Blicke auf den 21-jährigen Burgenländer. Und er kam mit der ungewohnten Aufmerksamkeit zurecht. Mehr noch, er genoss sie richtiggehend: „Ich bin ein Publikums-Spieler. Darum gelingen mir auch die besten Schläge am 18. Loch.“ Mit einem Birdie (Par-Runde) hatte er dort am Sonntag seinen Auftritt souverän beendet.
Mit fünf Schlägen unter Par beendete Wiesberger seinen ersten großen Auftritt auf der European Tour. Ein achtbares Score, dabei wäre für den Absolventen der Golf-Handelsakademie in Stegersbach noch mehr drinnen gewesen. Nach einer 69er-Runde am Samstag leistete er sich am Finaltag am dritten Loch ein Triple-Bogey: Erst versenkte er den Ball im Wasser und danach spielte er auch noch einen Drei-Putt. Zwei weitere Bogeys ärgerten ihn zwar massiv, er machte diese aber durch sieben Birdies wett. Obwohl er vor der Sonntagsrunde noch mehrere Stunden an seinem Putt gefeilt hatte, vergab er auf dem Grün weitere Birdie-Chancen.
„Jetzt ist er kein Fremder mehr“
Wie Wiesberger zog auch sein Trainer Claude Grenier ein positives Fazit der Turnierwoche. „Er hat gezeigt, dass er mit den Leuten auf der European Tour mitspielen kann“, meinte Grenier über seinen Schützling, der im Vorjahr in Fontana mit elf Schlägen über Par den Cut klar verpasst hatte. „Er hat auf sich aufmerksam gemacht und ist jetzt kein Fremder mehr.“ Gleichzeitig wäre diese Ausnahmesituation auch ein Lernprozess gewesen: „Das Spiel hier hat ihm aufgezeigt, was er noch verbessern muss.“ Etwa Präzision im kurzen Spiel, Konstanz bei den Drives und vor allem die Konzentration zu halten. „Auf den Par-5-Löchern ist die Anspannung größer, da ist er konzentrierter. Kurze Par-3 nimmt er mitunter zu lässig.“ All diese Erkenntnisse würden dazu führen, dass Wiesberger übermütig werde und nicht auf dem Boden bleibe.
Green gegen Jimenez
Dreieinhalb Tage dominierte in Fontana extreme Hitze, Sonntagnachmittag aber kam die Abkühlung. Just in dem Moment, als die Spannung um den Turniersieg Spieler wie Zuseher anzuheizen begann. Richard Green, der mit 15 Schlägen unter Par in den Tag gestartet war, lieferte sich ein Fernduell mit Miguel Angel Jimenez (-12). Der Australier Green, seit zehn Jahren sieglos, war als Favorit gestartet, doch innerhalb weniger Minuten hatte sich das Bild verkehrt: Er hatte am dritten Loch ein Doppel-Bogey gespielt, Jimenez zeitgleich am Fünften ein Eagle. Jimenez hielt siegessicher die Hände in die Höhe, reckte die Brust. Seine Ansage, „vier Schläge kann ich problemlos aufholen“, schien sich einfacher als gedacht umsetzen zu lassen. Der erste Sieg nach zwei Jahren ohne Titel schien greifbar. Doch dann stoppte ein Gewitter die Verfolgungsjagd.
Zum Glück für Fontana-Hausherrn Frank Stronach, der von seinem Besuch bei Präsident Wladimir Putin aus Moskau eingeflogen wurde: Er kam dank des Gewitters rechtzeitig zur Siegerehrung.
ZUR PERSON
Bernd Wiesberger (* 8. Oktober 1985) beendete die BA-CA Austrian Open mit fünf unter Par. Der Oberwarter bestreitet heuer seine erste volle Saison auf der Challenge Tour. Bisher schaffte er zweimal den Cut. Als beste Platzierung steht ein 24. Rang in Manchester zu Buche.
Bei den Austrian Open durfte Wiesberger aufgrund einer Wild-Card der Veranstalter teilnehmen. Der GC Fontana ist sein Heimatklub. 2004, als das Turnier noch zur Challenge Tour gehörte, konnte Wiesberger – damals noch Amateur – sogar den vierten Platz belegen.
Der 1,88 m große und fast 90 Kilo schwere „Longhitter“ gibt „zeitweilige Ungeduld“ als seine größte Schwäche an.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.06.2007)