Wladimir und Jörg: Wenn starke Männer Wirtschaftspolitik machen.
Wladimir Putin hat es so richtig tuschen lassen: Er hat bei einer Investorenkonferenz WTO, Weltbank und IWF in der Luft zerrissen, den Rubel als Dollar-Alternative in Sachen Reservewährung empfohlen und dem Westen Protektionismus gegenüber russischen Investitionen vorgeworfen.
Putin? Der Ex-KGBler, der einen massiven Re-Verstaatlichungskurs in Sachen Energiewirtschaft fährt? Der ausländische Investoren aus wichtigen Teilen der russischen Wirtschaft ausschließt? Der Shell aus einem Gas-Joint-Venture drängen ließ und nun das gleiche beim letzten Gasexplorationsunternehmen ohne staatliche Beteiligung mit BP versucht? Der seine Oligarchen in Gute (weil Putin-treue) und Böse (weil oppositionelle) einteilt? Wobei die Guten in seinem Schlepptau zwecks Vertragsunterzeichnung nach Österreich einfallen dürfen, während die Bösen ihr tägliches Arbeitsfrühstück (nach Abnahme aller Vermögenswerte) im sibirischen Arbeitslager zelebrieren?
Der will uns vormachen, wie Investorenaustausch zu funktionieren hat? Lustig! Russische Investoren haben 140 Mrd. Dollar im Westen investiert, Westliche 150 Mrd in Russland. Die gegenseitige Verflechtung ist also auf einem guten Weg. Das ändert aber nichts daran, dass Russland in Sachen mafioser Strukturen, Korruption und Rahmenbedingungen für freies Wirtschaften noch ein paar Hausaufgaben zu machen hat, bevor es mit gleichen Maßstäben gemessen werden kann. Kann das einer auch dem Präsidenten der aufstrebenden Wirtschaftsmacht zuflüstern?
Weil wir gerade bei starken Männern sind: Im schönen Kärnten ist gerade ein wilder Verteilungskampf um die Hypo-Millionen im Gang. All zu viele sind es ja nicht: Nach Rückzahlung einer (halb bereits verputzten und halb verplanten) Wandelanleihe und der (zumindest verbalen) „Beschlagnahme“ von rund 100 Millionen durch den Landeshauptmann für „Familienförderung“ (sprich: Wahlkampfzuckerln) bleiben von den 800 Millionen aus dem Hypo-Verkauf freundlich geschätzt maximal 150 bis 200 Millionen „disponibel“. Wenn's hoch hergeht.
Möglich, dass Jörg Haider und der Kärntner VP-Chef Martinz tatsächlich glauben, Kärnten sei durch dieses Supergeschäft „reich“ geworden (wie Haider täglich betont und Martinz inseriert). Möglich auch, dass die Herren nur ihr Wahlvolk für bescheuert halten.
Jedenfalls diskutieren Parteien und Sozialpartner eifrig, was mit dem Geld geschehen soll. Haider hat gestern gemeint, die Hypo-Millionen müssten „allen Kärntnern“ zugute kommen. Und zwar mit den Worten: „Das ist mein Wille, und so wird es geschehen“. Da bleibt einem nur noch, ergriffen das Haupt zu neigen und „in Ewigkeit, Amen“ zu murmeln.
josef.urschitz@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2007)