„Die Krux liegt tiefer“

(c) APA (Hans Leitner)
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ORF im Kreuzfeuer. Mehr Wiederholungen als ARD & ZDF, weniger Nachrichten als deutsche Private.

Die Rechnung schaut nicht gut aus. Das, was die deutschen Medienwächter im Auftrag der Landesmedienanstalten für 2006 erhoben haben, ist für den ORF und sein Selbstverständnis ein neuer Tiefschlag. Da wäre erstens die Wiederholungsquote von 28% – damit greift der ORF deutlich öfter auf innerhalb von nur sieben Tagen bereits gesendetes Material zurück als ZDF (13%), ARD (11%) oder ATV (13%). Schlimmer noch: das Ergebnis der Programmanalyse – sie wird jährlich für Deutschland und wurde erstmals auch für Österreich und die Schweiz durchgeführt – im Bereich TV-Information. Der Anteil an Nachrichten, Magazinen, Reportagen lag beim ORF bei 25% – weit hinter ARD (43,3%), ZDF (53,6%) und sogar den Privaten (RTL: 39,5%; Sat1: 35,2%; Pro7: 30,8%); ATV erzielte hier nur fünf Prozent.

Der (zur Hälfte aus Werbung finanzierte) ORF sendete mit vier Prozent seiner täglichen Sendezeit doppelt so viel Werbung wie die deutschen Öffentlich-Rechtlichen; ATV: 13,5% (Werbespots) plus 10% Teleshopping.

Auch wenn die Zahlen aus 2006 stammen – bevor ORF-General Alexander Wrabetz sein Amt antrat und seine TV-Reform startete –, für Diskussionen ist gesorgt. Diese Woche tagt der Stiftungsrat, wird dem Jahresabschluss 2006 lauschen, dem Quartalsbericht 2007 – und wird Fragen nach der Reform der Reform stellen, die dem ORF vor allem eines gebracht hat: Einschaltquoten im Rekordtief. Auch die „ZiB“ steht unter Beschuss: Hans Paul Strobl (ÖVP-naher Publikumsrat) hatte sie gar als „Schande für den ORF“ bezeichnet, kritisiert im Gespräch mit der „Presse“ den „beklagenswert provinziellen Inhalt“, vermisst z.B. Beiträge über Mittel- und Osteuropa. Und er geht noch weiter: „Die Krux liegt tiefer: Die Programmierung des ORF hat eine strukturelle Schwäche, sie ist ausschließlich für junge Leute, auf die Alten wird vergessen.“

SOS TV: Stiftungsrat will Bilanzvorschau

Aber die Jungen werden nicht erreicht, so Huberta Gheneff-Fürst (BZÖ): Sie fordert „eine Problemanalyse ausgehend von den gesteckten Zielen – man wollte ja die jüngeren Zuschauer wieder an den ORF binden, bis dato ist das nicht gelungen“. Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“ im Rat, will wissen, wie viel „die Programmreform samt Marketing-Kampagne tatsächlich kostet“, ob es bei den budgetierten 9,6Mio. Euro bleibt oder Kostenüberschreitungen gibt. Und: „Wie wirkt sich die Programmreform auf die Werbeeinnahmen aus, halten die für 2007 aufgestellten Prognosen?“ SP-Vis-à-Vis Karl Krammer wird beantragen, „dass wir im Herbst eine mittelfristige Bilanzvorschau bekommen, inklusive Werbeerlöse und damit der wirtschaftlichen Auswirkungen der Reform.“

DIE STUDIE: Der Info-Anteil

Mit 25% Nachrichten, Magazinen und Reportagen ist der ORF Schlusslicht hinter den Öffentlich-Rechtlichen in Deutschland und der Schweiz (ARD 43,3%, ZDF 53,6%) und hinter den großen deutschen Privaten (RTL 39,5%, Sat1 35,2%, Pro7 30,8%).

Wiederholungsquote im ORF: 28%.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.06.2007)

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