Prognose: Trotz boomender Konjunktur sinkt Budgetdefizit nur minimal

Das kräftige Wirtschaftswachstum lässt die Arbeitslosenquote in Österreich deutlich sinken, prognostiziert die Nationalbank.

wien (dom). Österreichs Wirtschaft wird laut Prognose der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) heuer um 3,2 Prozent wachsen. 2008 schwächt sich das Wachstum nur leicht auf 2,7 Prozent ab, für 2009 wird eine Zunahme des Bruttoinlandsprodukts um 2,3 Prozent erwartet.

Noch im Dezember 2006 hatten die Volkswirte der Nationalbank für heuer lediglich ein Wachstum von 2,8 Prozent erwartet, nun wurde die Prognose deutlich nach oben revidiert. Ende Juni dürften auch das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) und das Institut für Höhere Studien (IHS) ihre Prognosen für heuer und 2008 spürbar anheben.

Keine Abschwächung in Sicht

Nach Einschätzung der Notenbank bewegt sich Österreich „auf einem konjunkturellen Hochplateau“, es ist weit und breit keine Abschwächung oder gar eine Rezessionsgefahr erkennbar. Gestützt wird das Wachstum besonders durch die weiterhin gute Exportkonjunktur sowie die Investitionen der Wirtschaft, die heuer um fast fünf Prozent zulegen dürften. Wegen des milden Winters dürfte die Bautätigkeit heuer nochmals kräftig zulegen.

Österreich profitiert derzeit besonders von der Konjunkturbelebung in Deutschland, Italien, der Schweiz und Osteuropa. Der Aufschwung im Euroraum ist mittlerweile selbsttragend geworden. Die Abschwächung der US-Konjunktur im laufenden Jahr trifft Österreich kaum. Nur wenn es in den USA statt des allgemein erwarteten „soft landing“ zu einer harten Landung der Konjunktur kommt, hätte das auch Auswirkungen auf Österreich, meint Notenbankdirektor Josef Christl.

Der Staatshaushalt profitiert vom sehr kräftigen Wirtschaftswachstum, das die Steuereinnahmen sprudeln lässt, nur reichlich schaumgebremst. Der Finanzminister war bei der Budgeterstellung noch von einem deutlich geringeren Wirtschaftswachstum ausgegangen. Nun dürfte das Budgetdefizit heuer statt 0,9 nur 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) ausmachen, prognostiziert die Notenbank. Für 2008 erwartet sie einen Minus im Staatshaushalt in Höhe von 0,5 statt 0,7 Prozent.

„Wir sind beim Budget auf dem richtigen Weg, die Verbesserung hätte allerdings kräftiger ausfallen können,“ meinte Christl am Dienstag vor Journalisten. Immerhin sinkt die Staatsschuldenquote im kommenden Jahr erstmals seit dem Jahr 1992 unter die magische 60-Prozent-Grenze. Sie dürfte 2008 bei 59,0 Prozent liegen und 2009 weiter auf 57,5 Prozent des BIP zurückgehen. Notenbank und Finanzminister rechnen für das Jahr 2009 übereinstimmend mit 0,2 Prozent Defizit, also einem nahezu ausgeglichenen Staatshaushalt. Dass das Nulldefizit bereits im kommenden Jahr erreicht wird, hält Christl aus heutiger Sicht für unwahrscheinlich, allerdings nicht für völlig ausgeschlossen.

Deutliche Auswirkungen hat das kräftige Wachstum hat laut Notenbank-Prognose auf den Arbeitsmarkt. Die Arbeitslosenrate sinkt in Österreich heuer auf 4,3 Prozent und dürfte in den kommenden beiden Jahren weiter leicht zurückgehen. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt ist auch qualitativ, es werden wieder mehr Vollzeit-Arbeitsplätze geschaffen. Die Beschäftigung wächst erstmals seit Jahren deutlicher stärker als das Arbeitskräfteangebot, da die Zuwanderung geringer wird, geburtenstarke Jahrgänge in den Ruhestand treten und gleichzeitig geburtenschwache Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt kommen.

Sparquote steigt weiter

An der Preisfront wird es ruhig bleiben, erwartet die Nationalbank. Der private Konsum wird sich nur leicht beschleunigen. Die Einkommenszuwächse wandern zu einem Großteil auf die hohe Kante: die Sparquote , die im Vorjahr bei 9,8 Prozent gelegen war, dürfte heuer 10,5 Prozent und im kommenden Jahr 10,6 Prozent erreichen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2007)

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