Medien: ORF: Entscheidung über „MiA“ eher bald als zu spät

ORF-Sorgenkind 'MIA': wunder Punkt der Reform statt Segmentführer.
ORF-Sorgenkind 'MIA': wunder Punkt der Reform statt Segmentführer.(c) ORF/'Von der Muse geküsst'
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ORF-Sprecher Strobl relativiert Deadline. Stiftungsrat Küberl fordert Nachbesserungen der Reform ein.

„Traut sich der ORF zu, dass ,Mitten im Achten‘ sitzt und hält – auch dauerhaft?“ Diese Frage will Caritas-Präsident Franz Küberl heute, Mittwoch, im Programmausschuss des Stiftungsrates thematisieren. Grundsätzlich geht es ihm um das „Gesamtstück ORF“: „Ich glaube, dass es im Seherverhalten tiefer liegende Motive gibt, die man erst erfassen muss. Es muss ja schließlich einen Grund (für die Quotenrückgänge, Anm.) geben, Stichwort Winter- und Sommerschema der Zuseher.“ Die Reform habe schließlich am ersten heißen Tag des Jahres begonnen.

Was hat der ORF gelernt?

Zu den „Nachbesserungen“ an der Reform: „Ich nehm' an, dass das morgen deutlicher wird.“ Als weiteren, zu debattierenden Punkt sieht Küberl das, was Programmdirektor Wolfgang Lorenz als „Wackelkontakt“ bezeichnet hat: Das Verhältnis der Seher zu ihren Sendungen wird fragiler.“ Außerdem will Küberl wissen, was man aus den nun gemachten Erfahrungen für die nächste Reformwelle (laut Generaldirektor Alexander Wrabetz geplant für 10.September) lernt.

„In der Caritas besprechen wir auch die sogenannten ,Lessons learned‘“, also, was man aus einem durchgeführten Projekt gelernt hat, sagt Küberl gegenüber der „Presse“ – „im Positiven wie im Negativen“. Dahingehend müssen sich Stiftungsrat und ORF-Geschäftsführung jedenfalls einig sein: „Beide müssen Interesse haben, dass der ORF Leitmedium bleibt. Das ist eine pragmatische, gemeinsame Verantwortung.“

Morgen, Donnerstag, tagt dann der Stiftungsrat am Küniglberg, Franz Medwenitsch plädiert dafür, nicht weiter schönzureden und zuzuwarten: „Es ist Zeit zum Handeln.“ In ähnlicher Form äußert sich ORF-Sprecher Pius Strobl gegenüber der Austria Presse Agentur (Apa) zu „Mitten im Achten“ („MiA“): „Die Geschäftsführung wird eine kluge Entscheidung treffen, die eher bald als zu spät fallen wird.“ Eine solche war eigentlich erst für Herbst angedacht. Nur schafft „MiA“ derzeit keinen der gesetzten Meilensteine: Mindestens 200.000 Zuseher wollte der ORF, die Quoten halten bei der Hälfte. Und: Wrabetz wollte die Serie als „klaren Segmentführer“.

„GZSZ“ überholt „MiA“

In der letzten Woche hielt „MiA“ dem Vergleich mit den deutschen Soaps allerdings nicht stand: RTLs „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ wurde von mehr österreichischen Zusehern mitverfolgt, als das Pendant aus Wien. In der Branche wird bereits über das baldige Einstellen des Formats spekuliert.

Das Zurückrudern des ORF im Vorabend – in Richtung des von Monika Lindner erdachten „Willkommen Österreich“ – belohnten die Zuseher: „Sommerzeit“ mit Elisabeth Engstler stabilisierte diese Zeitzone mit 260.000 Zusehern und 31Prozent Marktanteil.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2007)

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