Verluderte Sitten im Bundesheer

Das schadet der Landesverteidigung mehr als eine eventuell falsche Typenentscheidung.

Der Eurofighter-Untersuchungsausschuss zeigt ein erschreckendes Bild der Zustände im Verteidigungsressort. Erhard Steininger, mittlerweile zu einiger Berühmtheit gelangter Waffen-Lobbyist, zeigt dem U-Ausschuss im übertragenen Sinn den nackten Hintern: Gerade erst hat er mitgeteilt, dass er bis 5. Juli auf Urlaub ist und nicht neuerlich als Zeuge erscheinen kann – das ist zufällig der Tag, an dem der U-Ausschuss nach heutigem Stand seine Arbeit abgeschlossen haben wird.

Im März hat er eine Ladung mit der Begründung verweigert, er sei gerade in Thailand, und machte in Wirklichkeit Skiurlaub in der Ramsau. Und das nicht mit irgendwem, sondern just mit dem Chef des Heeres-Geheimdienstes. Dass Steininger dem Offizier auch noch die Rechnung zahlte (und die Rückzahlung erst erfolgte, als ganz Österreich über die dubiosen Zahlungsflüsse um Steininger sprach), macht die Sache einigermaßen unappetitlich. Auch wenn noch nicht klar ist, ob der Fall irgendwelche strafrechtlichen Implikationen hat: Der Verteidigungsminister wird sich in Zukunft nicht nur mit dem Thema Eurofighter beschäftigen müssen, sondern auch mit der Verluderung der Sitten im Heer. Hohe Offiziere mit engen persönlichen Kontakten zu Waffen-Lobbyisten und dubiose Geldflüsse zeichnen ein verheerendes Bild der Armee. Und das schadet der Landesverteidigung mehr, als es eine eventuell falsche Abfangjäger-Typenentscheidung je könnte. (Bericht: S. 5)


martin.fritzl@diepresse.com("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2007)

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