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Der Spitzel ist reif für die Insel

Josef Kleindienst – einst Scharfmacher als FP-Gewerkschafter, Aufdecker der Spitzelaffäre, Millionär – baut eine Insel der Seligen in Dubai.

Es war der 1. Mai 1998, als ein gewisser Josef Kleindienst ans Licht der Öffentlichkeit trat. Und es war ein komischer Tag. Denn als im niederösterreichischen Tulln die FP-Gewerkschaft, Jörg Haiders Antwort auf den ÖGB, präsentiert wurde, war den meisten FP-Honoratioren der neue Gewerkschaftsboss Kleindienst ziemlich egal. Da wurde hinter vorgehaltenen Händen über einen anderen Freiheitlichen getuschelt. Peter Rosenstingl war verschwunden – und mit ihm einige Millionen Schilling. Tage später sprach alles von Rosenstingl, keiner vom strammen Polizisten Kleindienst. Dabei gab er sich Mühe, aufzufallen. Indem er etwa jene Polizisten massiv verteidigte, die den Schubhäftling Marcus Omofuma tödlich beamtshandelt hatten. Bekannt wurde der groß gewachsene Kleindienst aber erst, als er mit der FPÖ brach – und Bücher schrieb. Darin ist von FP-Politikern auf Fact-Finding-Mission im Bordell zu lesen. Oder von FP-Politikern, die sich illegal Informationen aus dem Polizei-Computer besorgen. Die „Spitzel-Affäre“ sorgte monatelang für Wirbel und endete damit, dass der „Aufdecker“ selber vor Gericht stand – und freigesprochen wurde. Aus dem „Aufdecker“ wurde dann ein „Abzocker“. Kleindienst nahm einen Kredit auf, steckte 600.000 Schilling in Aktien und erzählte Ende 2000 der „Presse“: „Ich habe ein Vermögen von 27 Millionen Schilling.“ Genug, um sich in Dubai ein neues Österreich zu suchen. Eines aus Kitsch und Sand. Auf einer künstlichen Insel baut Kleindienst ein Sissi-Hotel. gh

ZUR PERSON

Name: Josef Kleindienst

Geboren: 1964 in Niederösterreich

Bisherige Beruf: Polizist, FP-Gewerkschafter, Buchautor, Börsenspekulant, Immobilien-Entwickler [Fabry]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2007)