„Mitten in der Blamage“

"Mitten im Achten" - wochentags um 19.25 auf ORF1.ORF (Petro-Domenigg)
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Lob und Tadel für den ORF-General. Mit der Entscheidung, „Mitten im Achten“ abzusetzen, reagiert ORF-General Wrabetz vor allem auf Kritik der Werbewirtschaft.

Programmdirektor Wolfgang Lorenz kam erst zu spät, stand dann im Plenum des ORF-Stiftungsrats am Donnerstag aber gar nicht zur Diskussion. Dabei bahnt sich in seiner unter Beschuss stehenden Programmdirektion bereits die nächste Reform der Reform an: Um dem schwächelnden Vorabend auf die Beine zu helfen, wird „Vera exklusiv“ auf einen anderen Sendeplatz verschoben – auf welchen, das bleibt vorerst ungewiss.

Deutlich traten bei der Sitzung Sympathie bzw. Antipathie für oder gegen den dem SP-Lager zugerechneten ORF-General zutage: Der SP-nahe Stiftungsrat Karl Krammer lobte die Entscheidung, „Mitten im Achten“ abzusetzen. Die Werbeeinnahmen, so Krammer würden ein Prozent über den fürs Jahr geplanten 311,4 Millionen Euro liegen. Das Programm betreffend wolle man sich vom Drei-Stufen-Modell (10.4.2007–10.9. 2007–10.1.2008) hin zu einer „permanenten Reform“ entwickeln. Das „rationale Vokabel ,neuer ORF‘“ soll laut Krammer durch ein Wording ersetzt werden, das „Emotionen der älteren Zielgruppe abfängt“.

Lob für die Absetzung von „MiA“

Weitgehend Einigkeit herrschte in zwei Punkten: Die Absetzung von „MiA“ sei absolut richtig, weil „nicht reparabel“, fasste die BZÖ-nahe Huberta Gheneff-Fürst zusammen. Und: Ziel müsse die weitere Stärkung des öffentlich-rechtlichen Auftrags sein. Credo: „Die Quote ist nicht alles.“ Trotz der massiven Quotenverluste sollen mehr Qualitätsprogramme auf guten Sendeplätzen programmiert werden. Das sei „schon in Hinblick auf die anstehende Prüfung durch die EU“ sinnvoll, meinte auch der Leiter des ÖVP-„Freundeskreises“ Franz Medwenitsch.

Das bürgerliche Lager zeigte sich Wrabetz gegenüber aber deutlich kritischer: Dort sieht man in der Absetzung von „MiA“ sowie der Einführung von „Sommerzeit“ ein Umfallen des Generals, der damit zwei seiner wichtigsten Neuerungen rückgängig macht. „Was bleibt vom Vorabend übrig? Das ist eine Blamage – und Wrabetz mittendrin“, polemisierte ein VP-Rat. „Die Medienpolitik des ORF ist fatal“, kritisierte Helga Rabl-Stadler. Die Geschäftsführung habe sich zu wenig (extern) beraten lassen – stattdessen auf abgelöste Programmmacher (Werner Taibon, Reinhard Scolik) gehört.

Für ein „katastrophales Signal“ halten die VP-Räte das Ansinnen Wrabetz', die Zielmarktanteile für den General, nicht aber für die Direktoren Oberhauser und Lorenz bindend zu machen. Nur bei ihm hätte der Erfolg des ORF dann auch Auswirkung auf die Erfolgsprämie, weil ein Teil des Generaldirektorengehalts von der Erreichung von Mindestmarktanteilen abhängt. Für die Direktoren aber bleiben die sinkenden Quoten ohne Konsequenzen. Kommentar aus VP-Reihen: „In der Wirtschaft würde man sagen: ,Der kann sich nicht durchsetzen.‘“

Einstimmig haben die Stiftungsräte den Jahresabschluss 2006 genehmigt: Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit lag bei 9,6Mio. Euro (2005: 6,1Mio.), die Umsatzerlöse stiegen um 3,2% auf 927,1 Mio.; 462,8Mio. Euro wurden durch Gebühren eingenommen (2005: 450,8Mio.), die Erlöse aus klassischer Werbung blieben mit 302Mio. Euro stabil. Vor dem Stiftungsrat sprach Wrabetz von einem „Sparpaket“, dessen Höhe er aber offenließ.

43Mio.€ für Euro 08 und Olympia

Bei einer Klausur nächste Woche will Wrabetz über seine Programmpläne für den Herbst beraten – zum Beispiel über die Frage, welches Großevent auf „Dancing Stars“ folgen soll. Das Budget 2008 wird in etwa gleich hoch sein wie heuer – allerdings werden durch die Euro 08 und die Olympischen Spiele in Peking höhere Ausgaben erwartet – das Sonderbudget für diese Ausgaben soll maximal 43 Millionen Euro betragen.

Eine Gebührenerhöhung könnte, schloss der Vorsitzende des Stiftungsrats, Klaus Pekarek, am Donnerstag aus. Wenn es nach dem Wunsch von Teilen der ÖVP geht, sollte der Stiftungsrat künftig nicht mehr über die Höhe der Gebühren entscheiden. VP-Abgeordneter und Raiffeisen-Generalsekretär Ferry Maier meint dazu: „Wenn man schon die Haftung für Stiftungsräte eingeführt hat, dann wäre es klug, wenn das Gremium nicht die alleinige Kompetenz bei Gebühren hat.“ In einem Antrag an den Landesparteivorstand fordert der Bezirksparteitag der ÖVP-Floridsdorf daher einen „Evaluierungsausgleich“ bei Gebühren und Werbetarifen „in jener Höhe, wie der ORF einen Marktanteilsverlust bzw. einen Gewinn verzeichnet“.

IN ZAHLEN.

2006 nahm der ORF 462,8Mio.€ aus Gebühren ein, aus Werbung 302Mio.Euro. Das EGT lag bei 9,6Mio.Euro.

2008 gibt es 43 Millionen Euro Sonderbudget für die Euro 08 und Olympia.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2007)

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