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Russland: Fiskus will hohe Nachzahlung von Ölkonzern

Nach Yukos könnte Russneft in die Pleite getrieben und verstaatlicht werden.

Moskau. Der russische Ölbaron Michail Gutserijew muss den Verlust seines Ölkonzerns Russneft befürchten, der gegenwärtig 7,5 Mrd. Euro wert ist. Nachdem die russische Staatsanwaltschaft gegen den Milliardär Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung und illegaler unternehmerischer Tätigkeit eröffnete, fordert der Fiskus nun 14 Mrd. Rubel (400 Mio. Euro). Gutserijew will laut der Wirtschaftszeitung „RBC Daily“ den Steuerbescheid anfechten.

Die Behörden eröffneten auch Strafverfahren gegen elf Ölunternehmen, die an der Gründung von Russneft beteiligt waren. Ihnen werden Aktiengeschäfte vorgeworfen, die dem „Gesetz und der Moral“ widersprächen. Sollten die Geschäfte für illegal erklärt werden, könnte der Staat die Aktienpakete konfiszieren.

Ähnlich hatte der Fall Yukos begonnen, der zur Zerschlagung und faktischen Verstaatlichung des einst größten russischen Ölkonzerns führte. Russneft ist einer der am stärksten wachsenden Ölkonzerne Russlands. Gutserijew vereint darin 30 Förderunternehmen, die im vergangenen Jahr 16 Mio. Tonnen Erdöl produzierten. Der Umsatz betrug 100 Mrd. Rubel. Die Reserven belaufen sich auf 630 Mio. Tonnen.


Gazprom und Rosneft lauern

Selbst wenn Russneft die Steuerschuld bezahlen sollte, dürften weitere Nachforderungen anstehen, vermutet der Analyst Michail Galkin von der MDM Bank. Russneft könnte nach dem „Yukos-Schema“ in die Zahlungsunfähigkeit getrieben werden.

Konstantin Batunin von der Alfa Bank sagte, die zahlreichen Strafverfahren rund um Russneft sollen dazu dienen, dass Gutserijew sein Geschäft weit unter Wert verkauft. „Es scheint so, als sollte Russneft von einer Staatsstruktur geschluckt werden.“ Favoriten für die Übernahme des Ölkonzerns sind die staatlich kontrollierten Gesellschaften Gazprom und Rosneft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2007)