Britische und irische Banken arbeiten weit effizienter als die heimischen Geldinstitute.
Washington/wien (red/APA). Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat die Banken in 15 europäischen Staaten unter die Lupe genommen. Analysiert wurde jeweils das Inlandsgeschäft. Österreichs Geldinstitute schneiden dabei nicht besonders gut ab. Im europäischen Durchschnitt liegen die Kosten bei 58,7 Prozent der Erträge. Spitzenreiter bei der Effizienz sind die britischen Banken mit 42,9 und die irischen Institute mit 49,4 Prozent.
Österreich liegt bei 63,3 Prozent. Die Schweiz, die vom IWF detailliert unter die Lupe genommen wurde, bei 63,0 Prozent. Noch höhere Kosten im Vergleich zu den Erträgen haben mit 68,9 Prozent die deutschen Banken. Auch die Niederlande, wo es nur noch wenige Großbanken gibt und die Effizienz deshalb größer sein müsste, liegen mit 67,3 Prozent auch sehr schlecht.
Heuer gutes Ergebnis in Sicht
Gleichzeitig vermeldete am Freitag die OeNB, dass die heimischen Banken im ersten Quartal 2007 gut verdient haben. Sie profitieren von der guten Konjunktur und den weiterhin boomenden Ergebnissen ihrer Auslandstöchter. Bei den Kosten wurde der Sparstift angesetzt. Die Betriebsaufwendungen stiegen um 4,6 Prozent auf 2,66 Mrd. Euro und damit deutlich geringer als im Vorjahr. Gleichzeitig wuchsen die Betriebserträge um 6,9 Prozent auf 4,32 Mrd. Euro. Die Kosten-Ertragsrelation verbesserte sich demnach auf 61,7 Prozent. Das ist für Österreich ein neuer Bestwert, liegt allerdings noch immer unter dem europäischen Durchschnitt (siehe oben).
Einen Boom verzeichnen die heimischen Banken heuer vor allem im Provisionsgeschäft, das von florierenden Wertpapiermärkten sowie der ausgezeichneten Exportkonjunktur profitiert. Der Provisionssaldo, der seit langem stetig wächst, macht bereits 30 Prozent der Betriebserträge aus, der Zinssaldo ist mit 42 Prozent weiter rückläufig.
Für das gesamte Geschäftsjahr rechnen die in Österreich tätigen Banken mit einem Betriebsergebnis von knapp sechs Mrd. Euro, ein Plus von knapp 17 Prozent. Die Wertberichtigungen für faule Kredite werden auf 1,3 Mrd. Euro geschätzt, um zwölf Prozent weniger als 2006. Der Jahresüberschuss wird mit 4,2 Mrd. Euro prognostiziert, um sechs Prozent mehr als im Vorjahr.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2007)