So wird man islamischer Religionslehrer

(c) AP (Tim Roske)
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Jetzt neu. Im Herbst läuft das Studium „Islamische Religionspädagogik“ an der Uni Wien an. Eine theologische Fakultät soll folgen.

Die Zahl der Muslime an Österreichs Schulen nimmt stetig zu. In einer Studie der Österreichische Akademie der Wissenschaften werden Szenarien gezeichnet, nach denen zur Jahrhundertmitte jeder dritte Schüler ein Moslem sein könnte. Für diese Gruppe werden nun auch gut ausgebildete Religionslehrer benötigt. Nur, woher nehmen?

Die Universität Wien ist mit dem Studium „Islamische Religionspädagogik“ vorgeprescht, das noch an keiner anderen europäischen Hochschule angeboten wird. Ab kommendem Wintersemester werden in dem vier Semester dauernden Masterstudium Religionslehrer für Höhere Schulen ausgebildet. Derzeit werden von der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ) auch Lehrer eingesetzt, die über keine adäquate Ausbildung verfügen.

90 Prozent sind Frauen

Schon seit dem vergangenen Wintersemester hatten Studenten die Möglichkeit, einzelne Lehrveranstaltungen zu besuchen, die für das Studium angerechnet werden. Bislang gibt es 38 Studierende, rund 90 Prozent davon sind Frauen. Bei den derzeit eingesetzten Religionslehrern ist das Verhältnis der Geschlechter noch genau umgekehrt. Etwa 20 Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland, alle anderen sind Österreicher mit Migrationshintergrund.

Dennoch ist der neue Studiengang komplett in Deutsch gehalten. Und die Frage, ob Studentinnen Kopftuch tragen oder nicht, spielt absolut keine Rolle: „Wir sind keine Glaubenseinrichtung, sondern eine wissenschaftliche Einrichtung“, sagt Ednan Aslan, der den Studienplan erstellt hat.

Dementsprechend steht das Studium theoretisch auch Nicht-Moslems offen – allerdings dürften diese Absolventen nicht als Religionslehrer an Schulen arbeiten. Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist allerdings der Abschluss des Studiums an der Islamischen Religionspädagogischen Akademie (IRPA, s. Artikel rechts), die Moslems vorbehalten ist,oder eines gleichwertigen Abschlusses im In- und Ausland.

„Von Last der Kirchen befreit“

Bei den Studieninhalten will Aslan vermitteln, dass es zwischen europäischer und muslimischer Identität keinen Widerspruch gebe. So wie er auch ein modernes Bild von Religion lehren will: „Die Islamische Religionspädagogik lehrt unter anderem, dass Gottesliebe nicht zu erzwingen ist“, so Aslan. Und er sieht auch die Zukunft des Islam im Säkularismus. „Europa hat sich auch durch die Vernunft von der Last der Kirchen befreit“, meint er. Und so soll das neue Verständnis des Islam in einer säkularen Gesellschaft vernünftig begründet und theologisch argumentiert werden.

Dementsprechend werden Inhalte an aktuellen Themen aufgehängt, aber auch andere Konzepte werden vorgestellt. So gibt es etwa auch eine Einführung in die christliche Theologie.

Mit dem Studiengang ist Wien Vorreiter: „Wir sind die Elite in dieser Richtung“, sagt IGGiÖ-Präsident Anas Schakfeh. Doch damit soll noch lange nicht Schluss sein. Denn mit der Universität und dem Wissenschaftsministerium laufen bereits Verhandlungen über eine islamische theologische Fakultät. Hier sollen in Zukunft auch Imame ausgebildet werden, die derzeit noch im arabischen Raum lernen. Läuft alles nach Plan, soll es schon 2009 soweit sein.

MASTERSTUDIUM

Islamische Religionspädagogikab WS 2007/08; 4 Semester

Abschluss: Master of Arts (MA)

http://islamische-religionspaedagogik.univie.ac.at("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2007)

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